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Marianne Vejtisek - Andre Turnheim- Angela Glechner
 


Der Standard: "Die drei von der Förderstelle"

Printausgabe, 17./18.11.2007

Die drei von der Förderstelle
Mit der Förderzusage des Kulturstadtrats hat das dreiköpfige Theaterkuratorium (Glechner, Vejtisek, Turnheim) ein wichtiges Etappenziel spät erreicht
Wie viel lässt sich die Bundeshauptstadt ihren Theaternachwuchs kosten?


Wien – Bis gestern konnte der Informationshunger der Wiener Theateröffentlichkeit noch nicht hinlänglich gestillt werden: Jene Förderempfehlungen, für die das dreiköpfige Theaterkuratorium im Wege zweier halbjährlicher Subventionstranchen verantwortlich zeichnet, wurden nicht auf der Kuratoren-Homepage publiziert. Eine lässliche Verzögerung: Wie Kurator André Turnheim gegenüber dem Standard bestätigte, wurde das mit 17. August eingereichte Projektvolumen (710.000 Euro) von SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny voll und ganz bestätigt.

Den bis Juli 2009 amtierenden Kuratoren Turnheim, Angela Glechner und Marianne Vejtisek dürften damit gleich mehrere Steine vom Herzen gefallen sein: Die Entscheidung der kommunalen Kulturbürokratie über die empfohlenen Projekte schien auf die längste aller möglichen Bänke geschoben. Schon rätselte man, ob den Stadtvätern das ideelle Herzstück der mit gewaltigem Aufwand ins Leben gerufenen und nicht durchwegs unumstrittenen „Theaterreform“ überhaupt ein Anliegen sei.
Damit nicht genug: Künftig sollen die abgegebenen, von Mailath abgenickten Förderempfehlungen binnen zweier Wochen veröffentlicht werden. Das Schlüsselwort heißt „Planungssicherheit“: Immerhin betreffen die Förderansuchen vom Mai solche Theaterprojekte, die von Jänner bis August 2008 über diverse Bühnen gehen sollen.
Wiener Theaterkuratoren müssen gehörig durchsetzungsfähig und frustrationsresistent sein. Glechner, Vejtisek und Turnheim folgten Februar 2007 auf das erste Dreierteam, bestehend aus Silke Bake (sie ersetzte Günter Lackenbucher), Anna Thier und Uwe Mattheiß. Letztere Herrschaften waren federführend beteiligt an der Formulierung jenes Anforderungskataloges, den sich die reformfreudige Wiener Kulturpolitik wie einen Katechismus auferlegte.
Doch auch die nobelsten Anliegen drohen mitunter an Geldfragen zu scheitern: Angesprochen auf die eingetretene Verzögerung, ergeht sich das Kuratoren-Trio in Vermutungen: „Man kann ja nur logisch darauf schließen, dass es Geldprobleme gibt. Wobei unser Budget von 2,5 Millionen Euro keinen großen Prozentteil des Gesamtkulturetats ausmacht!“
Vejtisek: „Es haben sich doch auch die Bedürfnisse verändert und gesteigert.“ Ein Beispiel aus dem Mittelbühnenbau: Die brut-Macher Haiko Pfost und Thomas Frank, deren Budget jüngst auf 1,5 Millionen beinah verdoppelt wurde, empfehlen allen Theatermachern, die bei ihnen Unterschlupf suchen, eine schöne Mitgift aus dem Projekttopf mitzubringen. Dergleichen nennt man „koproduzieren“. Die Herbergsväter stellen dafür die Infrastruktur zur Verfügung.
Die Kuratoren müssen divergierende Interessen miteinander abgleichen: einerseits die Wiener Gesamtlandschaft im Auge behalten, andererseits Einzelkünstler ermutigen und deren konkrete Projekte „kostenwahr“ ausfinanzieren. Längst ist das Kulturamt der Stadt Wien dazu übergegangen, Theater, deren gedeihliches Wirken von niemandem „empfohlen“ wird, stillschweigend mit standortsichernden Förderungen zu bedenken: „Wir treffen ästhetische Entscheidungen und sprechen daher auch nicht über ,kulturpolitische Notwendigkeiten‘“, beteuern die Kuratoren unisono.
Ob mit der späten Zusage des SP-Kulturstadtrats alle Probleme aus der Welt sind? Dem Vernehmen nach gab es zuletzt ein Gezerre um vergleichsweise bescheidene 150.000 Euro. Vieles bleibt unklar: Wird das Kulturamt neuerlich eine Jury ins Leben rufen, um die Vierjahresförderungen zu bestimmen und die Mittelbühnenzukunft zu sichern? Und last, but not least: Wer synchronisiert eigentlich die Gremien untereinander? (Ronald Pohl, DER STANDARD/Printausgabe, 17./18.11.2007)

   
     

Tätigkeitszeitraum: FEBRUAR 2007  - MAI 2009
IN DER NACHFOLGE VON SILKE BAKE, DR. GÜNTER LACKENBUCHER, UWE MATTHEISS, ANNA THIER