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| Was tun die Kuratorinnen und Kuratoren
eigentlich? |
Über unsere Tätigkeit als KuratorInnen für Projekt-
sowie Ein-und Zweijahresförderungen für freie Projekte in
den Bereichen Theater, Tanz und Performance
Unsere Tätigkeit resultiert aus der 2003 initiierten Wiener
Theaterreform. Zu diesem Zeitpunkt herrschte seitens der Stadt
Wien wie auch bei einem Großteil der Szene selbst die Ansicht,
dass die seit den 60er-Jahren kontinuierlich gewachsene freie Theaterszene
dringend eine Erneuerung braucht, dass Theaterdirektoren nur mehr
mit befristeten Verträgen bestellt werden sollten und dass einige
Häuser auf Grund des Verlustes ihrer zeitgenössischen Relevanz
nicht mehr länger gefördert werden sollten. Aus diesen vieldiskutierten
Feststellungen und den daraus hervorgegangenen Bestrebungen der von
der Stadt Wien getragenen Wiener Theaterreform entstand das
bis heute bestehende Dreisäulenmodell: Konzeptförderung
(= Vierjahresförderung), vergeben alle vier Jahre durch eine
mehrköpfige Jury; Projektförderung (Projekt-, Ein- und Zweijahresförderung),
vergeben zweimal jährlich durch ein dreiköpfiges Kuratorium
sowie Standort- und Strukturförderung, direkt vergeben durch
die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7).
Kontakte
Für bestellte Kuratorinnen und Kuratoren besteht die Tätigkeit
aus dem Lesen und Diskutieren eingereichter Projektanträge; aus
kontinuierlich stattfindenden Treffen und Gesprächen mit den
KünstlerInnen, aber auch mit den LeiterInnen unterschiedlicher
Theaterhäuser, mit FestivaldirektorInnen und natürlich den
VertreterInnen und MitarbeiterInnen des Kulturamts der MA 7 sowie
dem Theaterreferenten des Kulturstadtrates; aus Besuchen unterschiedlichster
theatraler und performativer Formate im Gesamtraum Wien u. v. m. Das
bedeutet aber nicht nur das Begleiten von Projektrealisationen aus
der freien Szene, sondern auch Besuche anderer Häuser und Festivals,
die nicht nur in Wien beheimatet sind.
Offene Gespräche
Bei den Projekteinreichungen setzen wir uns nicht nur mit den künstlerischen
Inhalten bzw. Absichten, gewählten Formaten und Ästhetiken
auseinander, sondern auch mit finanziellen Fragen, etwa konkreten
Projektkalkulationen und Finanzierungsmöglichkeiten. Wir versuchen
in jeder Hinsicht Ratschläge zu geben und geben auf Wunsch der
KünstlerInnen auch Tipps in Fragen der Dramaturgie und Produktionsleitung
wie auch Feedbacks nach konkreten Aufführungen. Wir bringen gerne
und auf offene und transparente Weise unser Wissen um KoproduktionspartnerInnen
sowohl in Wien wie auch innerhalb Österreichs und international
ein und befürworten insgesamt stark das Kooperieren mit unterschiedlichen
PartnerInnen, sei es in künstlerischer wie auch in finanzieller
Hinsicht.
Keine Sparten-Töpfe
Wir "dividieren" die zur Verfügung stehende Summe der
MA 7 für freie Projektförderung - seit 2004 gleichbleibend
ohne jegliche Anpassungen: 2,5 Millionen Euro - nicht durch die Anzahl
der Sparten, um dann "Töpfe" aufzufüllen: So gibt
es für uns keinen vorab festgesetzten "Topf" für
Theater für junges Publikum oder einen "Topf" für
Tanz und Performance.
Kriterien
Wir entscheiden vielmehr nach der abschätzbaren künstlerischen
Qualität, Relevanz und Wirkkraft eines Projekts oder eine Ein-
und Zweijahresförderung. Unser Hauptaugenmerk liegt neben der
künstlerischen Kraft auf Zeitgenossenschaft in allen Aspekten,
Sichtbarkeit und einem offenen und nachhaltigen Austausch zwischen
den Generationen. Wir gehen davon aus, dass es sich bei Ersteinreichungen
um KünstlerInnen handelt, die bereits ausgewiesene Erfahrungen
im selbständigen Arbeiten getätigt haben. Und wir behandeln
den so genannten "Nachwuchs" nicht getrennt von den anderen
EinreicherInnen, sondern sehen diesen als integralen und notwendigen
Teil einer lebendigen und beweglichen künstlerischen Landschaft.
Migration
Dass (auch politische) Migration ein zentrales Thema im Kunst- und
Kulturbereich ist, ist für uns selbstverständlich. Allerdings
steht die künstlerische Qualität an erster Stelle. Bei der
Auswahl der zu empfehlenden Projekte wird von uns die künstlerische
Vielfalt, die eine Hauptstadt ausmacht, mitgedacht. Eine unserer ersten
Bemühungen war es so 2009 auch, in einem Gespräch mit dem
Ronacher den Weg für Auftritte der freien Szene zu öffnen.
Das ist uns nicht gelungen. Gelungen sind uns aber zahlreiche Vernetzungen
von KünstlerInnen, Theatern, Festivals sowie eine stärkere
Transparenz unserer Tätigkeit durch die Betreuung der Website
www.kuratoren-theatertanz.at und vieles mehr.
Wachsende Szene
Wir haben seit unserem Arbeitsbeginn im Juni 2009 an die 600 Gespräche
geführt und gehen mittlerweile von einer in Wien angesiedelten
Szene aus, die aus geschätzten 500 aktiv tätigen freien
EinzelkünstlerInnen, Ensembles und Standorten besteht. Das bedeutet
unbestreitbar große Konkurrenz. Es besteht ein starker internationaler
Zuzug unter der zeitgenössischen Künstlerschaft; nach Wien
kommende Studierende bleiben oftmals nach dem Ende ihrer Ausbildung
in Österreich. Die Vielzahl der Einreichungen - derzeit sind
es ca. 235 - spricht für den lebendigen Kunst- und Kulturstandort
Wien, ist aber auch ein Indiz für andere, wesentlich komplexere
gesellschaftliche, künstlerische und nicht zuletzt wirtschaftliche
Umstände.
Neue Räume
Die Stadt Wien hat in den letzten Jahren seit Beginn der Theaterreform
2003 kein Theater geschlossen, sondern vielmehr neue Räume eröffnet
bzw. neu vergeben: 2004 eröffnete der Dschungel Wien - Theaterhaus
für junges Publikum, Anfang 2006 das TAG, im Sommer 2006 folgte
die Eröffnung des 3raum-anatomietheater. 2007 übernahm Andreas
Beck die Intendanz des Schauspielhauses, im Winter 2007 eröffnete
brut Wien und übernahm die beiden Spielstätten des ehemaligen
dietheaters; 2009 eröffneten das Palais Kabelwerk in Wien-Meidling,
das Theater Nestroyhof Hamakom in Wien-Leopoldstadt und GARAGE X im
ehemaligen Ensemble Theater am Petersplatz. Daneben wurden aber auch
zahlreiche weitere privat geführte Studios für Tanz und
Performance im gesamten Stadtraum und neue Spielorte für Sprech-
und Musiktheater eröffnet, darunter etwa 2007 der Salon 5 im
Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus, 2008 das Schubert Theater.
Koproduzierende Verantwortung
Neben den ausgewiesenen Koproduktionshäusern, die im Besitz der
Stadt Wien sind, brut und Tanzquartier, übernehmen etliche andere
Häuser und deren künstlerische LeiterInnen koproduzierende
Verantwortung. Die Spielpläne dieser vielfach unterdotierten
Theater sind nur mit Geldern aus der Projektförderung zu gestalten.
Doch das Budget zur Bespielung dieser Orte durch Koproduktionen mit
der freien Szene wurde demgegenüber seit dem Jahr 2004 bei massiv
steigendem Bedarf und trotz mehrmaliger Forderungen auch seitens der
Interessenvertretungen der freien Szene nicht erhöht.
Empfohlene Projekte
Das Kuratorium für Theater, Tanz und Performance empfiehlt zurzeit
ca. 20 bis 30 Prozent der eingereichten Projekte. Angesichts der Menge
an einreichenden KünstlerInnen wie auch bestehenden Häusern
und Spielorten für freies Theater, Tanz und Performance sowohl
für erwachsenes wie auch junges und jüngstes Publikum hat
sich diese Zahl als keineswegs zu hoch erwiesen.
Finanzierung
Die Produktionsbedingungen haben sich in den letzten Jahren drastisch
verändert. Die Stadt Wien versteht ihre Subventionsleistung heute
als anteiligen Produktionskostenzuschuss. Zeitgenössisch agierende
Kunstschaffende sind daher aufgerufen, kontinuierlich auch andere
Geldquellen aufzutun, und gerade KünstlerInnen der jungen freien
Szene tun dies heute bereits mit großer Selbstverständlichkeit,
organisieren sich Residencies sowohl innerhalb Österreichs wie
auch international, Auftritte bei internationalen Podien und anderes
mehr.
Längere Spielserien
Wir freuen uns mit allen KünstlerInnen, die internationale Erfolge
haben, wünschen uns aber auch in Wien mehr Sichtbarkeit für
die freie Szene. Wir halten daher u. a. längere Spielserien im
Sinne der künstlerischen Sichtbarkeit für essenziell und
bedauern sehr, dass viele Produktionen nur zwei Mal gespielt und dann
"abgelegt" werden.
Touringsystem/Jury-Bestellungen
Wie unsere VorgängerInnen sind wir der Ansicht, dass Österreich
ein Touringsystem braucht, um freie Produktionen im gesamten Bundesgebiet
zu präsentieren. Und ähnlich wie unsere VorgängerInnen
empfehlen wir im Hinblick auf die Bestellung der Kuratorien eine flexiblere
Handhabung durch ein dynamisches zeitlich verschobenes Bestellungsmodell
der einzelnen Mitglieder, das auch die alle vier Jahre zu bestellende
Jury für Mehrjahresförderungen umfasst. Dadurch könnte
ein für alle Seiten nützlicher Transfer des angesammelten
umfassenden Wissens der Kuratoriums- und Jury-Mitglieder um die freie
Szene und die kulturpolitischen Veränderungen in der Stadt Wien
ermöglicht werden.
Andrea Amort, Angela Heide, Andreas Hutter*
Wien, Februar 2011
*seit 1. Juni 2011 (davor: Jürgen Weishäupl)
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Die aktuellen Aufführungstermine bisher empfohlener Projekte
finden Sie auf dieser Seite unter Termine.
Aktuelle Informationen zu weiteren Veranstaltungen, Ausschreibungen
u. a. finden Sie auf dieser Seite unter Aktuell
.
In der Rubrik FAQ
(Frequently Asked Questions) finden Sie Antworten zu häufig
gestellten Fragen Einreichungen und Förderabläufe betreffend.
Unter Presse
werden Artikel zur Tätigkeit der Kuratorien der Stadt Wien
im Bereich Theater, Tanz und Performance seit 2007 versammelt und
unter Links
Verweise auf freie Gruppen, Veransalter und Spielorte in Wien.
Weitere allgemeine Informationen finden Sie hier
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