Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Kurztexte zu den geförderten Projekten für den Herbst 2015 sowie zu den 1-Jahresförderungen 2016 und 2-Jahresförderungen 2016/17

(Einreichtermin 15. Jänner 2015; Texte stammen von den Künstlern/Gruppen und werden laufend ergänzt)

 

Julia Schranz/Aggregat Valudskis/SCHMETTERLING IM EIS

Die Valudskische Theatersprache, in ihrer auf die Essenz reduzierten Form, versucht sich mittels ihrer 3 Schauspieler und dem Regisseur an „Schmetterling im Eis“. oder: ein Versuch über ´Hundert Jahre Einsamkeit´ inspiriert von Gabriel García Márquez´s gleichnamigem Roman. Sie stranden in einem Dorf, träumen Gegenstände um, bringen einen riesigen Diamanten „Eis“ auf die Bühne, der genauso zerschmilzt wie Buendias utopische Demokratie Macondo, scheitern am Paradies einmal durch Bewegung, dann durch Stillstand, und das alles in der erstmals bespielten Anti Galerie Durchhaus.


Jan Machacek/shadow replay

Medien-Performance

Ich lebe im Moment die Hälfte des Jahres in Mexiko.
In shadow replay möchte ich meine Erfahrung des Fremdseins als Europäer in Mexiko thematisieren. Was heißt es, als Europäer in einer ehemals europäischen Kolonie zu leben - inwiefern bestimmen Muster des (Neo)-Kolonialismus den gesellschaftlichen und den eigenen privaten Horizont? 

shadow replay ist ein Spiel mit Schatten und Projektionen über die Auswirkungen der       Kolonialgeschichte für ein Zusammenleben in einer globalisierten Welt.
Schatten werden dabei als das erste Bild des Körpers verstanden: ein Feedback der Außenwelt über die eigene Position im Raum. In Form eines „digitalen Schattenspiels“ werde ich mit Montagen aus Geschichte, Literatur, Popmusik und Film über mein Verhältnis zu Klischees und Stereotypen der Kontinente Europa und Amerika reflektieren. Dabei entspannt sich eine Dynamik in der Interaktion mit vorgefertigtem Material, live     bedienten Bild-Apparaten und physischer Präsenz.
Der lange Schatten der Geschichte wird am eigenen Körper spürbar.

Jan Machacek: Konzept, Medien, Performance/Juan Sebastián Lach: Musik/Oliver Stotz: Video-Software/Ruby Tagle: dramaturgische Beratung


Hinterreithner & Hauser/Mezzanin

Werkstatt-Performance in den Werkstätten des Odeontheaters

Die Performancekünstler Lisa Hinterreithner und Jack Hauser setzen sich in

Mezzanin, wie bereits in der Performance-Serie The Call of Things, mit der

Performativität von Dingen auseinander. Dabei gehen sie von einer künstlerischen

Performance als einer kollaborativen Versammlung von heterogenen Elementen

(Menschen, Dingen, Organismen und Objekten) aus. Materialien, Dinge und Objekte

performen hier und agieren neben und mit den beiden menschlichen Performern als

eigenständige sowie kollaborierende oder störende Teilnehmer. 

In Mezzanin wird die Werkstätte zum performativen Austragungsort. 

Die Werkstatt als eine Brutstätte der Dinge. Wo Werkzeuge, Stoffe, Farben, Lacke,

Kleider, Papier, Wasser, Planen, Holz, Strom, Möbel, Haarbürsten und anderes

aufeinandertreffen. Wo sich eine menschliche-nichtmenschliche Arbeitsgruppe bildet.

Vorhersehbar, unvorhersehbar, spekulativ. Wo Hinterreithner und Hauser die

Zweckmäßigkeit des Ortes unterwandern und die Dinge in ihrer bestechenden

Dinghaftigkeit adressieren. Farbe zum Beispiel ist in Mezzanin weder ein Mittel zum

Zweck, noch ist es ‚Kunst’. Farbe ist ein Ding, entweder grün oder blau oder anders,

ist als Farbe aus der Tube meist von cremiger Konsistenz und wird, wenn man sie

fönt oder bügelt, in weniger als fünf Minuten hart. Dann kann man damit Tischtennis

spielen, zum Beispiel...


Picker Regina/ART.ist/Performance Brunch REAL

Im September und November findet, jeweils Samstag und Sonntag, ein Performance Brunch im Volkskundemuseum statt. Bei diesem Format wirbelt darstellende Kunst den Staub in den Museumsräumen auf. Bei den gezeigten Performances von Regina Picker und Aline Kristin Mohl wird Brauchtum und Tradition aus dem Alpenraum zerlegt, betrachtet, neu zusammengesetzt oder in ungewöhnliche Kontexte gestellt, um abseits der gängigen Brauchtumspflege einen anderen Blick auf traditionelle Praktiken oder Gegenstände zu werfen und neue Denkräume aufzumachen. Pro Wochenende werden 2 GastkünstlerInnen/gruppen mit ihren eigenen – zum Thema passenden– Arbeiten eingeladen, um die Diversität in der performativen Auseinandersetzung sichtbar und greifbar zu machen. Das Ganze wird mit einem themenbezogenen Essen begleitet oder abgerundet.


Ewa Bańkowska/EXPOSÉ FANTASTIQUE

EXPOSÉ will be a monodrama, in which Ewa Bańkowska will wrestle with words, meanings, messages and accents. The underlying intention is to emancipate language from its theoretical, informative and explanatory function and to challenge common ways of storytelling. EXPOSÉ will celebrate expressivity that fails to make a point and it will feature the humorous, ironic and poetic potential of language. It will be an encouragement to become absurd in everyday expression and to find pleasure in inefficient conversing. It will be an invitation to read between the lines and an exercise in speaking in times when it seems like there is nothing sensible and meaningful left to be said…


Alix Eynaudi/ Edelweiss, a danced rebus

Edelweiss is a piece for those who find pleasure in reading.

Edelweiss is a tribute to fetishism: a performance that treats all of its components as loved art pieces.

Edelweiss plays with intelligibility: a danced rebus where signs and references abound, a caring piece where all the elements have been discussed and chosen and loved. 

Edelweiss is inspired by Klimt and Émilie Flöge, by sport, by the aquariums of the 19th century, by babies, by the 70’s, by the future and by the artist Fontana.


Hannes Löschel/Chroma/Robinson(UA)

Hannes Löschel Komposition, Idee, Peter Ahorner Text, Jürgen Matzat Regie, Dorothee Redelsteiner Kostüm, Jakob Scheid Bühne, Katharina Schögl Produktionsassistenz, Anton Widauer, Judith Thaler, Florian Buchner DarstellerInnen, Joanna Lewis Violine, Emily Stewart Violine Steffanie Prenn Violoncello, Judith Ferstl Kontrabass, Stimmen der Insel Chor mit Solostimmen, Bernhard Höchtel Musikalische Leitung

 Eine Produktion von CHROMA, in Koproduktion mit WIEN MODERN und DSCHUNGEL WIEN.


Hans-Peter Kellner/Die Juggernauten/Theresia Walser: Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm

Mit Andreas Patton, Heinz Weixelbraun, Simon Hatzl. Im Theater Nestroyhof-Hamakom. Zwei Hitler und ein Goebbels-Darsteller zur  Talkshow im Fernsehstudio. Ein fast fundamentalistischer Kulturkampf über künstlerische Nabelschau vs. Kunstfreiheit, Naturalismus vs. Provokationsdeppen,  Wadelbeißereien vs. Hackhierarchie, Authentizität vs. Verbiegung. Ein Schaustück über die Schaustellerei – die der Theaterschaffenden und die von uns allen.


Elisabeth Tambwe/DIG UP productions/NEUER TITEL: Las Meninas (meaning lady companion in Spanish)
is a project that focuses on the representation of representation, with the intention to keep the distance of the performers and integration of the audience. Whoever is watching will be the central character in the scene. The mirror of the world presents itself as an inverted world. One is always one step behind – is what plays on the other side the reflection? A strange world where one must run fast to stay put. Time as well as space are reversed – one must move away to finally reach the ultimate goal. We will come and go permanently between the stage and the off-stage area. If you believe Lewis Caroll “on the other side of the mirror all is real”. When we look in the mirror, how do we see ourselves? As a representation? Or as a presentation? What image is visible on the other side? All is constructed on the other side, it is the game of appearances.

But it may be that the elements used are brought backstage and become part of the truth … the improbable in the probable.

Concept: Tambwe Bakambamba E./Choregraphie: T.B.E; Ann Liv Young/Choregraphie Assistant: Adriana Cubides/Performers, dancers: T. Bakambamba, Ann Liv Young/Video: Nicolas Spencers/Light: Peter Tallamers/Scenographie: Greg Crapet


Regina Welk/DochaVienne/WIND - Der Wind, der Wind, das himmlische Kind…    

Wenn man von etwas Wind bekommt, erwacht unser innerster Geist und unsere Intuition. Wind ist der Versuch eines "Theaters der Sinne " für Eltern und Kleinkinder. Ein Hauch von Minimalität. Augen und Ohr befreien von Überflüssigem, neu sehen und neu hören.

" Am Anfang war das Atmen, der Hauch, das Leben… "

Wind bewegt, bringt vom Kurs ab, haucht Leben ein, verstreut, streicht über unsere Haut, weht uns den Duft von Flieder entgegen, erzeugt Töne und Musik. Ob sanfte Brise, Rückenwind, leises Wispern, heftiger Windstoss oder stürmisches Wehen. Wind hebt ab, lässt uns durch Traumwelten schweben, flattert , dreht und verdreht. Er windet sich und weht nur wann und wo er will. „

DochaVienne steht für moderne, interdisziplinäre Bühnenkunst und bemüht sich für sehr junges Publikum und dessen Begleiter neue Darstellungsformen und Darstellungsrahmen auf interkultureller Ebene zu erforschen. Unsere Arbeit baut auf Tanz, Bild, Objekttheater sowie Musik auf und ist geprägt durch den Einfluss deutsch/französischer Kultur. 

Es ist uns ein Anliegen, "alle" Sinne des Zuschauers zu wecken, Raum für eigene Vorstellungen zu lassen und neuen Kommunikationsformen Ausdruck zu geben. Deshalb richtet sich unsere Arbeit an eine breite kulturelle Identität und setzt sich über jegliche Sprachbarrieren und/oder Altersgrenzen hinweg.

In einer Zeit des ständigen "Wandels" beschäftigen wir uns bevorzugt mit immateriellen Grundlagen und Mitteln, wie Licht, Musik, Duft, Wärme, Kälte und Bewegung. Wind ist eine musikalisch tänzerische Wanderung durch Stimmungen und Zustände. Fast ohne Worte aber nicht ohne Sinn. Musik und Bilder sprechen für sich und sind eine internationale, inter-generationelle Sprache.


Jérôme Junod/Im Nachhinein

Fünf Erzählstränge, fünf Generationen. Den Gräueltaten einer totalitären Herrschaft folgen die Verdrängung, die Aufarbeitung, das Vergessen, die Wiederkehr der Katastrophe. Sind wir verdammt, Geschehnisse verdunsten zu lassen und dieselben Muster zu reproduzieren? Im Nachhinein konfrontiert und verschachtelt unterschiedliche Perspektiven, in einer Zeit, der die letzten Zeugen der Katastrophen des 20. Jahrhunderts abhanden kommen während neue Gefahren sich anbahnen. Mit „lernen S’ a bisserl Geschichte“ ist es wohl noch nicht getan.


Johanna Tatzgern/Goldfuß unlimited/Muster

Für das Projekt ist eine Recherche rund um den Begriff “Muster” geplant. Erforscht werden weitere Musterbegriffe. Verhaltensmuster, Stoffmuster oder Musterprozess haben unterschiedliche Bedeutungen. Auf der Suche nach persönlichen, gesellschaftlichen und formalen Mustern geht die Reise weiter um Musterbeispiele zu entwickeln und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Eine interdisziplinäre Performance und Installation gemeinsam mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen

www.facebook.com/goldfussunlimited 


Matan Levkowich/Funktion Man

Function man is a dance solo about the effects of militarization on the male body. Inspired by Matan’s first hand experience of militarization as a soldier in the Israeli army, we are questioning the conditioning of a soldier’s body into an “action orientated” body, looking at what happens when a man becomes an “Action Man”. Drawing from Matan’s personal point of view, as well as from Claire Lefèvre's theoretical research on this topic, we are also inquiring the impact of militarization on the political body, and our society's collective consciousness.

http://matanlevkowich.com


Markus Felkel/La Linea /von Ann Jaramillo/KILLA – die Kultur/Nah/Versorger

La Linea nimmt sich der Flüchtlingsproblematik in Lateinamerika an – dargestellt anhand der Geschichte eines mexikanischen Geschwisterpaares, das den Sprung über die Grenze in die USA schaffen will. Die Jugendlichen geraten dabei in die Fänge von Schleppern, werden ausgeraubt, erpresst, vergewaltigt, begegnen korrupten Polizisten, etc. – man weiß nie, wem man vertrauen kann, wem nicht ... man bangt, ob die beiden es schaffen werden. Auch wenn die Geschichte in Lateinamerika spielt, ist sie trotzdem Projektionsfläche für das Schicksal von Flüchtlingen weltweit – besonders von Kindern und Jugendlichen. Was der Todeszug in Mexiko ist, sind Flüchtlingsboote im Mittelmeer – beides tödliche Fallen für verzweifelte Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben. Regie: Markus Emil Felkel / Spielort: Dschungel Wien


Julia Kneussel/MÄNNER STIMMEN

über den Zustand des Mannes im frühen 21. Jahrhundert - Eine poetisch - musikalische Reise ins exotische Land der männlichen Emotionen. Wie reden Sie, wenn Sie um den heißen Brei herumreden? Wenn Sie sich schämen, welchen Namen würden Sie Ihrer Scham geben? In welchem Moment haben Sie Ihren Vater geliebt? Wofür würden Sie in die Politik gehen? Was bedeutet „gut im Bett sein“? Wir interviewen. Wir brechen Wortstrukturen auf. Wir sehen hinter Panzer von sogenannten Männerbildern. In sprachlichen Untersuchungen widmen sich Regisseurin Julia Nina Kneussel und Autorin Katharina Tiwald mit Schauspielensemble und Musik ganz dem Männlichen… ein langes Gedicht zu männlicher Gender-Selbstwahrnehmung. In Zusammenarbeit mit Theater Drachengasse.


Anna Kramer, Claudia Kottal/“Familie Tot”  von István Örkeny

“Es wäre gut, wenn wir nicht mehr in Angst lebten.”

“Familie Tot” ist eines der wenigen Theaterstücke des herausragenden ungarischen Autors István Örkeny und wurde in über 25 Ländern gespielt, in Österreich allerdings noch nie aufgeführt. Diese sarkastische Allegorie der autoritätshörigen ungarischen Gesellschaft in den Jahren des 2. Weltkrieges spielt in den 1940er Jahren in einem Bergdorf in Nordungarn, aber sie könnte jederzeit und überall spielen. Die männlichen Protagonisten werden alle mit weiblichen Spielerinnen besetzt um die Darstellung der patriarchal dominierten Gesellschaft herauszustellen.

Konzept und Regie: Imre Lichtenberger Bozoki.“Familie Tot” ist die erste Produktion des Vereins mh+a²*.

*migrations.hintergrund.am.arsch.


Valentin Alfery/Kulturverein Hungry Shark/ANTHROPOZÄN

ANTHROPOZÄN ist ein urbanes Tanzstück über den Einfluss des Menschen auf die Erde. 

Ein epochales Ereignis steht kurz bevor: Wie es aussieht, wird die Geological Society of London ein neues Erdzeitalter ausrufen. Damit wäre das Holozän - eine Epoche die nach der großen Eiszeit begann - Geschichte. Es würde abgelöst vom Anthropozän, der Menschenzeit. Die Idee dahinter: Bis jetzt veränderte das Klima den Planeten und seine Lebewesen. Doch nun ist der Mensch in der Lage, das Klima zu verändern. Er ist selbst zur Naturgewalt geworden.


Laura Nöbauer, Franziska Adensamer/Lottaleben/Über Zwergen, Unter Riesen

ein relatives Stück übers reinpassen, einpassen, groß, klein und unförmig sein.

Bewegungstheater für junges Publikum ab 3 Jahren

Wie sieht die Welt aus, wenn man eine Riesin ist, aber den Anderen nur bis zum Knie geht? Und wenn man eine halbe Portion genannt wird, aber nicht mal eine halbe Portion essen kann?

Und wenn man eine Zwergin ist, die so groß ist, dass sie bei jedem Schritt Angst hat je­manden zu zertreten? Und man sich ständig den Kopf am Türstock stößt?

In “Über Zwergen, unter Riesen” treffen eine kleine Riesin und eine große Zwergin aufein­ander. Zwei Figuren, die fast gleich groß sind aber beide aus den gängingen Größenvorstellungen fallen: Als Zwergin zu groß und als Riesin zu klein.

Dieses Zusammentreffen gibt Raum für ein Spiel rund um das Ausprobieren und “Begreifen” von Größen, Formen und deren Relativität.


Josef Maria Krasanovsky/Luna Arts/Nachrichten aus dem Schleudersitz

Der Schleudersitz ist eine Vorrichtung die man in einer Ausnahmesituation betätigt. Er schleudert jemanden aus einer bisher sicheren Umgebung in eine neue ungewisse Welt. Die Zeitspanne die man im Schleudersitz verbringt ist eine Phase der Unsicherheit: Wie lange dauert der Flug? Überlebt man die Fahrt? - und wenn ja, was erwartet einen bei der Landung? Mit dem geplanten Projekt machen wir uns auf die Suche nach den Biografien von vier gesellschaftlichen Außenseitern, die am Abgrund zu stehe scheinen: Wie schauen sie auf ihr Leben? Was sind die Hoffnungen? Welche Abgründe tun sich auf? Den Mittelpunkt all dieser Fragen bildet aber die Suche nach den Momenten, die ihr Leben verändert haben.  Oder anders formuliert:  Warum wurde der Knopf für den Schleudersitz gedrückt?


Volker Schmidt/new space company/Der Fuchs

Als Fuchs lebst du, wie du es dir wünschst. Überall vorne mit dabei, nichts auslassen, der beste Sex und die besten Drogen, die beste Musik, das ganze Leben als Performance. Grenzüberschreitende Kunst und Lebensphilosophie eines großen Geistes verbinden sich zu einem Gesamterlebnis. Ein Atelierbesuch wird zu einer atemlosen Rückschau auf ein Leben von einem, der Vieles will – außer zur Ruhe zu kommen.

Mit DANIEL WAGNER Regie VOLKER SCHMIDT Bühne THEA HOFFMANN-AXTHELM Kostüme SVENJA GASSEN Musik JOSCH RUSSO Produktion JULIA WIGGERS Assistenz WILLIAM EGGERT


Michael Schlecht/Neues Theater Wien/Der Schneemann

Er wurde sitzen gelassen und ist nicht mehr aufgestanden seitdem. Er verharrt auf einer Bank in der Pumpstraße in Paris. Es ist Nacht, es ist kalt, er hat Rotwein getrunken, der  ihm den Magen verdreht. Er sieht Lichter hinter Fenstern, Laternen im Fluss, den blauen Mond, Rücklichter eines Autos. Überall spiegelt sich das Bild dieser einen Frau. Und er kann sie doch nicht mehr fassen. Ob er tobt oder fleht. Sie ist weg. Seine Augen werden zu Stein, seine Tränen gefrorene Geschosse. Er ist der Mann, der seine Chance verpeilt hat. Wann hat er nicht aufgepasst, als auf dem Förderband des Lebens sein Stück haltbare Liebe vorbei glitt. Detailversessen bohrt er sich in Momente einstiger Gemeinsamkeit. Er will sein Narbengewebe durchdringen. Erinnerungen bannen. Totes lebendig machen. Er treibt die Kälte in sich zum Exzess, bis er nichts mehr spürt, bis er ein alter Schneemann wird, der bei Wärmeausbruch in die Kanalisation taut und hochgepumpt wird ins Schloss über der Stadt. Dort wird er ein König sein.

Text: Leon Engler

Regie: Michael Schlecht


Felix Huber/nicht.THEATER Ensemble/_OBJECTS IN MIRROR ARE CLOSER THAN THEY APPEAR

Aus den Erinnerungen an Vergangenes konstruieren wir eine Vorstellung der Zukunft und nennen es Utopie.

Johannes ist 35 Jahre alt. Er glaubt an sich selbst und daran, dass alles gut werden kann, wenn er endlich herausfindet was er wirklich will. Wenn man nur nicht ständig daran erinnert werden würde was die anderen alle machen, während man selber nichts tut. Aber wer macht denn eigentlich was, wenn alle ständig nur fotografieren und hochladen und schreiben? Wer lebt denn dann?

Oma, die ist tot.

Mit der Freundin ist Schluss

Und der Hund, der ist auch weg.

Dafür kommt die Gemüsekiste jetzt jeden Mittwoch vor die Haustür.

Für die Beerdigung muss Johannes sich jetzt doch aufraffen, anziehen und das Haus verlassen. Seiner Mutter zuliebe.

Aber jetzt könnte ja auch mal was Neues anfangen… oder?

Die Geschichte kennt keinen Neuanfang. Nur Neubauten.

Wir freuen uns auf die Zukunft.


Paola Aguilera/Plaisieranstalt/Robinson-Meine Insel gehört mir. von 8 bis 14

Koproduktion Plaisiranstalt, Wien/ StromBomBoli, Hall i.T./ Odeïon, Salzburg 

„Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst,

die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten."

H. P. Lovecraft

Ein Mann auf einer einsamen Insel, gestrandet im Nirgendwo. Er erzählt seine Geschichte. Wie er dahin gekommen ist. Wie er überlebt hat. Und wie er es schließlich fertiggebracht hat, sich ein vielleicht bescheidenes, so doch zufriedenes Leben einzurichten, mit einer kleinen Quelle mit Trinkwasser, einem Garten mit Gemüse, einem Feld, einer Ziege, einem Haus.

Doch auf einmal entdeckt er Fußspuren im Sand. Und er bekommt Angst, dass ihm jemand seinen Reichtum wegnehmen könnte. Und selbst wenn er etwas abgeben würde, was ist, wenn diese Menschen mehr wollen, alles wollen, seine letzten Vorräte?

Und eines Tages passiert es: Ein Mann – Freitag – flüchtet zu ihm, weil sein Leben bedroht wird, weil er nicht in seiner Heimat bleiben kann. Er bittet Robinson um Hilfe. Um Rettung. Um Asyl.

Was tun, wenn die erwartete Gefahr auf einmal in Gestalt eines leibhaftigen Menschen vor einem steht? Und wenn der vermeintlich Böse ein hilfebedürftiger Mensch ist, dem es im Grunde nicht viel anders geht, als es einem selber einmal gegangen ist?

Doch dann häufen sich die Spuren im Sand. Kommen etwa die schrecklichen Landsmänner vom Fremden auf die Insel? Wird Robinson für seine Hilfestellung bestraft? Wollen immer mehr seine Unterstützung? War seine Entscheidung richtig? Und was sagt der Neue, der Fremde? Wird nicht auch seine Welt bedroht? Schon wieder? Von zwei Seiten? Wo gehört Freitag hin? Autor: Raoul Biltgen | Regie: Paola Aguilera | Produktionsleitung: Barbara Schubert | Schauspiel:  Hans Danner, Sven Kaschte


Otmar Wagner/Polymorph Performance/Aktion Aktuell

AKTION AKTUELL ist sowohl Performance-Art als auch Fern-Sehen, ein Hybrid aus verschiedenen Medien, Kunstformen und Produktionsweisen. Dabei geht es weder um Reproduktion noch um satirische Überhöhung des Materials, sondern um Blick- und Perspektivverschiebungen, Ver-Rückungen, Nach-Richten von Nachrichten. Wir setzen voraus, dass Nachrichten im Wesentlichen Konstruktionen von Wirklichkeit sind statt „Fenster zur Welt“.

Als formalästhetischer Ausgangspunkt dient uns weiterhin die Struktur von Nachrichtenjournalen vor allem des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wir behaupten diese strenge journalistische Form mit allen ihr impliziten Details als performative Kunst-Form und geben ihr gleichzeitig eine neue Richtung: Subversive statt angeblich objektive Berichterstattung.

Die neuen Ausgaben - AKTION AKTUELL 04-06 - werden in Kooperation mit OktoTV „live im Studio“ gezeigt und darüber hinaus live gesendet werden.

Die Aufführungs-/Sendetermine sind: 12. Nov. 2015 / 10. Dez. 2015 / 21. Jan. 2016, jeweils 19:30 Uhr


Paul Wenninger/Verein Divers/als gäbe es...

Licht, Kostüm, Bühne, Text und Musik bilden im Regelfall den disziplinären Chor, der den Tanz umfängt, ihn begleitet und auf Händen trägt. Diese Hierarchie der disziplinären Glieder lebt noch vom Echo einer Aufteilung der Genres, die sich je nach institutioneller Zuordnung die anderen Disziplinen unterwirft. Im ersten Schritt des Projekts wollen wir dem Tanz in die einzelnen Genres folgen, um ihn gesondert an verschiedenen Orten für Licht, für Kostüm, Musik und Tanz je spezifisch zur Erscheinung bringen, entkleidet der Hierarchie und durch Trennung doch miteinander verbunden. (Paul Wenninger und Andreas Spiegl)


Alexander Braunshör/„Die Zeit-Insel des Dr. Moreau“ [Arbeitstitel] 

Eine theatrale Utopieuntersuchung nach H.G. Wells, mit

Gabriel Tarde, Marlon Brando, Josef Stalin u.a.

Um 1900 entstanden eine Reihe von „scientific romances“ – Vorläufer der Science

Fiction aber auch Abenteuer- und Horrorliteratur – wie H.G. Wells’ „Die Insel des Dr.

Moreau“. Dabei handelte es sich um populäre Utopien oder Dystopien, die auch als

soziologische Tagträume (einer entstehenden Gesellschaftswissenschaft) gelesen

werden können. 2 Schauspieler hijacken den Stoff und seine filmischen Versionen. Sie

vivisezieren das Monument eines vergangenen Zukunftsdenkens, um auf neue Zukünfte

für das 21. Jahrhundert zu stoßen.


Dora Schneider/theater angstrom/Der varreckte Hof

Stubenoper von Georg Ringsgwandl

Mutter Weichsenrieder wird wunderlich. Eine Pflegerin muss her, denn ihre Kinder können die Alte nicht betreuen. So kommt Swetlana aus Osteuropa auf den Hof, der schon seit Jahren stetig verfällt.

Ringsgwandl - der „Punk-Qualtinger, ein Valentin des Rock’n’Roll“ (Die ZEIT) - entwirft in pointierten Dialogen und Liedern eine dörfliche Szenerie, die von den Ausschlägen der Globalisierung schonungslos getroffen wird.

Der varreckte Hof ist eine hintersinnige Parodie auf eine Gegenwart, die die Zukunft vieler ländlicher Gebiete sein wird, und stellt in der Figur der verschrobenen alten Bäuerin die brisante Frage: Wer kümmert sich um die vom Zeitgeist Abgehängten und vor allem wie viel Heimat braucht der Mensch?


Thomas Kamper/Anfangen

Die Welt ist unbewohnbar geworden. Es haben sich Orte des Rückzugs gebildet. Drei Frauen mit schauspielerischer Vergangenheit und dem Vorsatz, der Welt, die sie verlassen haben, etwas entgegenzusetzen, wollen bei Null beginnnen. Der Anfang, der nicht gelingt, beweist, wie theatralisch Meditation sein kann und dass die Komödie, der der Zutritt verweigert wird, durch die Hintertür hereinkommt. Ein Prozess, der nichts kommentiert oder abbildet, sondern sich selbst zum Ausdruck bringt. Nur da, wo nichts entsteht, ist schließlich doch etwas entstanden.


Helmut Wiesner/Lumpazivagabundus im Gasthaus Lechner

Ein Theaterexperiment. 5 Schauspieler und 2 Musiker spielen in allen vier Räumen des Gasthaushauses, je nach Inhalt werden die Szenen durch die Räume definiert. Beabsichtigt ist eine Vermischung der Wirtshausrealtät und der theatralischen Handlungen, wobei sich diese beiden Realitäten gegenseitig ergänzen und erweitern. Es ergibt sich so eine völlig neue Sichtweise auf diese sehr bekannte Nestroyposse und ein heutiger, authentischer Theaterabend. Das Bühnenbild ist das Wirtshaus (im Gasthaus Lechner ideal gefunden) und die Besucher Wirtshausgäste und somit Mitspieler, die die so wichtige Atmosphäre authentisch mitgestalten. Es wurde für dieses Spiel im Wirtshaus eine eigene Spielfassung erstellt, die aber keine Reduktion, sondern in ihrer Dichte Nestroy als den großen „Wiener Shakespeare“ zum Blühen bringt.


Gerald Nestler, Ursula Endlicher/TIM.theories in mind/Far-Flung’s future

Far-Flung’s future ist eine Medien-Performance-Installationen, die unterschiedliche Aspekte der Mensch-Computer-Beziehung hinterfragt und von Echtzeit-Daten choreographiert wird. Live-performter Tanz / Bewegung sowie computergeneriertes Video, Licht und Audio werden von den gleichen Datenstrukturen beeinflusst: Physische Gegebenheiten (u.a. Wetterbedingungen sowie Besucherverhalten) bestimmen den non-linearen Ablauf der Arbeit mit.

Konzept/Medien/Bühne: Ursula Endlicher, Performance/Dramaturgie: Frans Poelstra, Performance: Yuka Takahashi, Programmierung: David Clarke, Sound: Szely, Licht: Thomas Jelinek. 

Produziert für “Social Glitch”, ein Projekt von TIM.theories in mind in Kooperation mit WUK.performing.arts und kunstraum NIEDEROESTERREICH, kuratiert von Sylvia Eckermann, Gerald Nestler und Max Thoman.


Jakub Kavin/urban cube/Outsiders

Eine Theaterperformance. Plot: Ein U-Bahnwagon. 12 Menschen. Eine Störung. Die Passagiere sind im Zug gefangen. Was passiert?

Die PerformerInnen sind Menschen wie du und ich. Sie fühlen sich als AußenseiterInnen oder werden so behandelt. Jakub Kavin legt in seiner Regie den Fokus darauf, dieses weit verbreitete Gefühl in Bilder zu packen. Diese Bilder werden sowohl visuell, als auch akustisch gemalt. Mit Stimmen, mit Körpern, mit Texten, mit Videoeinspielungen, mit Musik.


Gerhild Steinbuch/Prevoiusly On: Season 2 – Herr (P) der Finsternis

Freundliche Mitte, bestehend aus einem Experten für Spiel, einer Expertin für Raum und einer Expertin für Sprache erzählt gemeinsam die Geschichte des Herrn P. Diesmal Season 2: Herr P bricht in den Weltraum auf. Als Matrix dient Joseph Conrads „Heart of Darkness“: Was wäre dieses Herz der Finsternis heute, in Zeiten größtmöglicher Aus- und Durchleuchtung? Wo finden sich Schwarze Löcher auf der Landkarte, und wie weit muss man Abstand nehmen von der Erde, um sie zu sehen? Zur Erforschung und Besiedlung des Weltalls brachen nicht nur die fiktiven Helden des Raumschiff Enterprise auf. Wer oder was beschränkt den Drang zur Expansion?


Donald Padel/Verein MIMAMUSCH/Festival für Kurztheater

Es werden Kurztheaterstücke in Separéebühnen mehrmals pro Abend dargeboten. Mit einem Durchschnitt von über 400 BesucherInnen pro Abend im Jahr 2014 und ca.12000 Einzelbesuchen der Theaterstücke hat sich MIMAMUSCH zum größten Off- Theaterfestival Österreichs entwickelt und wird von einem internationalen KünstlerInnenensemble getragen. Es werden 15 Kurztheaterstücke - eingebettet in ein Rahmenprogramm aus Musik und Performance präsentiert. Es beteiligen sich insgesamt über 100 KünstlerInnen.


Daniel Zimmermann/Verein nadaLokal

nadaLokal war einer der ersten Off-Spaces für darstellende Kunst in Wien und hat sich im Laufe der vergangenen Jahre erfolgreich in der lokalen und internationalen zeitgenössischen Performance-Szene etabliert. In den vergangenen sieben Jahren haben wir über 160 KünstlerInnen aus 22 verschiedenen Ländern eingeladen, und mit ihnen mit dem Ziel zusammengearbeitet, das kulturelle und soziale Leben im 15. Bezirk zu bereichern.

Wir werden im nadaLokal, neben den bisherigen Formaten, ab Herbst 2015 noch intensiver mit ortsspezifischen und prozess-orientierten Ansätzen auf unser Stadtviertel, bzw. den weiteren urbanen Kontext fokussieren, und dabei auch lokale menschliche und nicht-menschliche EinwohnerInnen und Gemeinschaften ansprechen und einbinden. Mit unserem Fokus auf Communal Curatorship werden wir Künstler weiterhin darin unterstützen mit bezirks- und stadtrelevanten Projekten zu experimentieren und diese weiter zu entwickeln. Nicht nur in den Räumlichkeiten von nadaLokal, sondern auch im öffentlichen Raum, z.B. an relevanten Orten im 15. Bezirk.

Unser Ziel ist es, außerhalb der etablierten Kunstinstitutionen Denk- und Reflexionsräume zu schaffen, in einem lokalen Kontext, im direkten und engen Kontakt mit Menschen, Tieren, Pflanzen und Orten im 15. Bezirk. 


Nicoletta Korkos/Verein No money No art/Ms Cosmos and the whale

Mars Bambis präsentieren ihre fünfte Arbeit - eine Performance über Selbstakzeptanz. Im Fokus steht die Intuition - dieses besondere Gefühl, das einem klar macht, dass es Zeit ist, etwas zu beginnen oder zu beenden, mit etwas zu brechen oder es zusammen zu bringen. Die Emotionen, die daraus hervorgehen, bilden den Kern des Stückes. Sowie alle bisherigen Stücke der Mars Bambis, ist auch dieses ein Werk über weibliche Wahrnehmung. Es ist ein Frauenstück, ein Frauenquartett über Beginn oder Ende. Es setzt sich mit innerer Leere, Sucht, Sehnsucht, Besessenheit und sexueller Transformation auseinander, enthüllt dabei die daraus erfolgenden Emotionen und sucht Antworten auf die Frage, wie Körper und Geist den starken inneren Wunsch nach Veränderung und Akzeptanz umsetzen kann. Intuition macht sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar, unter anderem in Träumen. Im Stück ist es der sich wiederholende Traum einer Frau: Sie begegnet in den Tiefen des Ozeans einem Wal. Der Wal spielt dabei eine fundamentale Rolle. Er ist Symbol für die unfassbare Kraft, die erweckt werden muss, um sich auf den Weg zur Selbstakzeptanz zu machen. Der Ozean versinnbildlicht die Gesamtheit ihrer Gefühle – beides Welten, die so unendlich scheinen, so klar und friedlich und dennoch gleichermaßen geheimnisvoll und bedrohlich. Wie der Wal, der diese Gegensätze des Ozeans in Einklang bringen muss, um zu überleben, muss auch die Frau ihren Weg aus der unendlichen Tiefe ihrer Gedanken, Ängste und Schwächen finden. So offenbart sich der Traum als stummer Schrei nach Akzeptanz. Er ist ein Versuch, den aufreibenden Kampf um Perfektion endlich aufzugeben, ein Wegweiser zur Selbstakzeptanz und Liebe, für all das was man ist, aber auch all das, was man nie sein wird. Er ist eine Aufforderung, die eigene Unvollkommenheit zu erlauben, um frei zu sein. Mars Bambis schaffen eine Initialzündung zur Selbstakzeptanz.


Kari Rakkola/Verein Zenith Productions/Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry

Ein Klassiker der Weltliteratur als Sommertheater für die ganze Familie im Hof des Gartenpalais Schönborn im Mai und Juni 2015. Es gibt zwei parallele Handlungsstränge, einer eher für Kinder und einer eher für Erwachsene gedacht, denen man folgen bzw. zwischen denen man wechseln kann, wobei die beiden einander ergänzen. Unsere Gruppe setzt sich aus Menschen sechs unterschiedlicher Nationalitäten und Glaubensrichtungen zusammen, wodurch die im Text vermittelten Wertvorstellungen und Fragen von verschiedenen Standpunkten aus beleuchtet werden. Für dieses interkulturelle Projekt haben wir im Garten des Österreichischen Museums für Volkskunde einen gebührenden Spielort gefunden. Bei der vorläufigen Projektpräsentation konnten wir auch die Führung des Hauses sowie Wien-Extra für unsere Ideen gewinnen. Die Szenen funktionieren nach dem Prinzip in sich abgeschlossener Welten von „Schneekugeln“, stehen aber trotzdem im Dialog miteinander sowie mit der urbanen Umgebung (bzw. bei Regenwetter als Stationentheater drinnen mit dem Museum und der Museumsarchitektur). Eine Theater-Produktion für Menschen jeden Alters, die offenen Herzens sind.

 


Valentin Werner/Werner & Sassen/achtungsetzdich!/Protokolle von Toulouse

März 2012. Zwei Männer im Zwiegespräch, das einem Verhör gleicht. Nur

wer hier wen verhört, bleibt bis zum Schluss undurchsichtig. Mohammed

Merah hat in den vergangenen Tagen sieben Menschen erschossen, darun-

ter Kinder und Soldaten. Hassan arbeitet für die französische Polizei. Ihr

Gespräch müssen sie über Walkie-Talkies führen, denn sie befinden sich

nicht in einem Polizeirevier, sondern in einem von der Polizei umstellten

Wohnblock in Toulouse.

Die Journalistin Karen Krüger hat das Zwiegespräch ins Deutsche Über-

setzt und für die Bühne adaptiert. Daraus entsteht ein dokumentarisches

Kammerspiel nach den terroristischen Anschlägen 2012 in Toulouse. Ein

Versuch sich dringenden Fragen über Extremismus, Islamophobie, Integra-

tion und Terror künstlerisch anzunähern entsteht.



1-Jahresförderung 2016

 

Martin Gruber/aktionstheater ensemble

Das aktionstheater ensemble wird im Jahr 2016 2 Theaterprojekte zum Thema "Gier" erarbeiten. Arbeitstitel dieses Zyklus ist "Marathon der Demütigungen"

Dem Aktionstheater geht es in der szenischen Analyse von menschlicher Gier um deren expansive Dynamik in beide Richtungen: als Weltzugriff des Kapitalismus, der alles in Waren und Warenmärkte verwandeln kann und als dazu komplementärer Warenfetischismus bedürftiger Individuen, die sich keinen glückenden Lebensentwurf jenseits des Haben-Wollens und einer dafür verfügbaren äusseren und inneren Natur mehr vorstellen können. Von dramatischer Qualität ist die Lebensgier endlicher Wesen, die den  Versuch unternehmen, sich im unbegrenzten Verbrauch zu verwirklichen. Lust bereitet letztlich das, was mir nicht gegeben wird, sondern was ich mir nehme und nicht mehr zu teilen brauche: Geiz ist geil. Die Habgier ist kein Trieb, der sich mit Besitz zufrieden gibt, sie soll sich auch gut anfühlen und andere neidisch machen. In der Sexualisierung des Konsums steckt die Wahrheit, in aller Gefräßigkeit ein geltungssüchtiges Mängelwesen zu bleiben, das in keinem Genuss zur Ruhe findet.


Georg Blaschke / M.A.P. Vienna Movement Art Programmes

Künstlerisches Vorhaben 2016

Unter der künstlerischen Leitung von Georg Blaschke plant M.A.P. Vienna 2016 unter dem Gesamttitel Fluid Facts - choreography for building a theatre die Realisierung von zwei Arbeiten, bei welchen es darum geht aus der choreografischen und performativen Praxis heraus Modelle für ein visionäres, bewegliches Theater der Zukunft abzuleiten.

1. Façade Fluide   Performance - Rauminstallation – Reproduktion

Dieses Projekt verfolgt einen erweiterten Choreografiebegriff: Bewegungen des Körpers, bildendes Gestalten und Reproduktion des Bildes werden als gleichwertige choreografische Aktionen aufgefasst. Im Mittelpunkt steht die fotografische Aktion des Einfrierens des Körperbildes am Ende eines Bewegungsprozesses. Das fotografische Abbild wird zum Grundmotiv eines ornamentalen Oberflächenhybrids. 

2. ANTs   ballet for four humans and several non-humans

Das choreografische Modell dieses Balletts für vier Performer und Artefakte folgt der Organisationsform der ANT Actor Network Theoryund entwirft ein offenes System, das primär durch die Bewegungsrelationen der Partizipierenden bestimmt wird. Jede Tänzerin, jeder Tänzer, jedes Objekt repräsentiert eine Akteurin, einen Akteur, sonst nichts. Die Aktionen haben Vorrang vor der Bedeutung der Aktionen. Was macht die Choreografie? anstatt Worum geht es ihr?

Ist es möglich durch die wiederholte Praxis in Probe und Performance einen Modus Operandi herauszufiltern, der auch das Modell einer flüssigen Architektur inspirieren könnte?

www.georgblaschke.com


Thomas Jelinek/NOMAD.theatre/ENTROPY

ENTROPY ist eine performative Raum-Ton-Installation, eine interaktive Oper pataphysischen Diskurses, zur Realitätsprojektion der Gegenwart, als Jahrmarkt der Unpässlichkeiten.Der Arbeitsprozess ist bereits in der Entwicklung über eine Reihe kollaborativer Labors, öffentlich. Darin verhandeln temporäre Communities aus KünstlerInnen, Experten und BesucherInnen, dem in Mode gekommenen-aus der Physik stammenden Begriff- Entropie folgend, die Spuren der menschlichen Wahrnehmung und Weltkonstruktion. Die Oper-ative-Installation setzt sich aus den Elementen des Entwicklungsprozesses zusammen und erzeugt durch die aktive Anwesenheit des Publikums musikalische Performance eines Entropiediskurses, ein Fraktal unserer Gegenwart. Eine Gegenwarts-Oper. Die Entropie, die Auflösung, der Wärmetod des Universums als barockes Memento Mori der Jetztzeit - und dem Derivat als letzte absolute Werteskala, gerät der sozio-politischen Kollaps zurPerformance in der sich die menschlichen Strategien inszenieren, die versuchen sich in einem unüberschaubaren,

dynamischen System zu organisieren, um darin zu überleben...

 

Konzept & künstlerische Leitung - Thomas J. Jelinek

Musikalische Systemarchitektur - Jorge Sanchez-Chiong

Akteure, kollaborative KünstlerInnen und aktuelle Informationen:

http://nomad-theatre.eu/5874280.0/


Deborah Hazler/raw matters

Der Raw Matters – Ein ungeschliffener Tanz und Performance Abend bietet KünstlerInnen aus den Bereichen Tanz und Performance die Möglichkeit Ideen und Experimente vor Publikum auszuprobieren. Der Kinosaal des Schikaneders wird jeweils einen Montagabend im Monat zu einem Ort an dem nicht das fertige Produkt, sondern das Unfertige, Rohe und zugleich Fragile im Vordergrund steht. Jeweils 4 KünstlerInnen/Gruppen teilen sich einen Abend, wobei ihre Arbeiten im Anschluss bei Speis und Trank mit dem Publikum in ungezwungenem Austausch diskutiert werden können.

www.rawmatters.at


Gin Müller

2016: Fantoma´s Monster, ein Polit-Thriller im Serienformat
Die Comicfigur Fantomas steht in dem multimedialem Projekt für SuperheldInnen und rebellische Gespenster/Geister die zwischen Iran, Mexiko, Wien und Brüssel reisen und in historisch, real-politische und fantastische Ereignisse involviert werden. In den „Thriller“-Episoden geraten die "menschlichen" SuperheldInnen, die aus politischen und Liebesgründen ihr Land verlassen und nun z.t. in Wien leben, in der Darstellung ihrer Erzählungen immer tiefer in eine Welt der Wirren von politischer Realität, Korruption, Terror, Projektionen und Fiktion...


Michikazu Matsune/Verein Violet Lake

Im Jahr 2016 arbeitet Michikazu Matsune an den Performances "Dance, if you want to enter my country!” und "The Calendar Project (Arbeitstitel)." Das erste Projekt wird im brut im Anfang des Jahres gezeigt. Das zweite Projekt wird in der zweiten Hälfte 2016 präsentiert. Das Studio von Verein Violet Lake liegt in einem kulturell vielfältigen Teil des 10. Wiener Gemeindebezirks. Seit 2014 lädt der Verein lokale KünstlerInnen für Working-Residency ein und setzt dieses Programm im Jahr 2016 fort.


Anne Juren, Roland Seidel/Wiener Tanz- und Kunstbewegung

Für das Jahr 2016 werden folgende Projekte der Wiener Tanz- und Kunstbewegung erarbeitet: Fortführung der 2nd Thursdays – Reihe anhand von vier performativen Interventionen die sich mit den Begriffen Alltag, Anatomie, Biografie sowie Landschaft

auseinandersetzen. Der Präsentation der Performance AAA (engl.: triple a) in Zusammenarbeit mit Alice Chauchat, Alix Eynaudi und Morton Spangberg bei der die Bewältigung choreografischer Missionen im Vordergrund stehen.

Des weiteren sollen die Räumlichkeiten des Vereins als Plattform für künstlerischen Dialog weiter ausgebaut werden.



2-Jahresförderungen 2016/17

 

Ian Kaler

Im Rahmen der 2-Jahresförderung wird Ian Kaler das „Studio als Praxis“ entwickeln und mit unterschiedlichen Konzeptionen und Anwendungen von/zu Community/Communities als Gemeinschaft/en, Allgemeinheit, Öffentlichkeit, Gemeinsamkeit/en, Verwandschaften in Verbindung bringen.

Zentrales Element dieser Untersuchung ist der Begriff des „Choreografischen“, als Genre- und Medien-übergreifende Praxis und Filter der künstlerischen Auseinandersetzung.

Über den Zeitraum von 2016 und 2017 werden demnach über das „Studio als Praxis“ und über unterschiedliche Begegnungen Community/Communities als Felder von Zusammenhängen, simultanen Prozessen und daraus enstehenden Dokumenten und Schnittstellen untersucht.


Bert Gstettner/Art*Act Kunstverein/Tanz*Hotel:

Für 2016 – 2017 sind mehrere Terms des Residenz-/Community-/Koproduktionsprojekts Artist At Resort mit jeweils begeleitenden Werkschauen und internationaler Vernetzung geplant. Weiters der Aufbau einer neuen Präsentationsform zum Thema Archiv und Choreografie. Ebenso sollen zwei neue T*H Eigenproduktionen realisiert werden: das interdisziplinäre Projekt Floss*Medusa, sowie der dritte Teil aus dem Generationen verbindenden Mobilè-Zyklus für junges Publikum: Riesen*Zwerge. Weitere Repertoireaufführungen der erfolgreichen Produktion für junges Publikum Wild*Things und Herr*Jemineh hat Glück sind ebenso vorgesehen.


Im_flieger 2016/17

2016/17 setzt Im_flieger die transdisziplinäre Forschung fort und beschäftigt sich mit dem Themenfeld NEUER MATERIALISMUS. Über 2 Jahre wird eine Plattform unter dem Titel STOFFWECHSEL - Ökologien von Zusammenarbeit unter Mitwirkung zahlreicher Künstler*innen und Theoretiker*innen mittels unterschiedlicher Arbeitsschwerpunkte und öffentlicher Setzungen gestaltet. Die bisher entwickelten einzelnen Formate (In_FORSCHUNG, INVITES/diskursiv, RESIDENCY@imflieger, CHANGING SPACES national/international, PRESENTS, CROSSBREEDS PLATTFORM....)  werden vernetzt und konstruktiv in einen relationalen Zusammenhang gebracht. Welches künstlerische und sozio-kulturelle Potential, welche Problemstellungen eröffnen sich durch diese Überschneidung und Durchdringung von Prozess, Produkt, Inhalt und Struktur?

Das 2015 erstmals durchgeführte Künstler*innenaustausch-Programm Im_flieger CHANGING SPACES Wien/Tel Aviv in Kooperation mit KELIM - Center for Choreography/Bat Yam/Israel wird 2016/17 weiterentwickelt. Der Raum Im_flieger@Schokoladenfabrik am Gaudenzdorfer Gürtel, 1120 Wien fungiert weiterhin als Homebase.

Konzeption 2016/17: Anita Kaya, Brigitte Wilfing, Katrin Hornek, Sabina Holzer

Im_flieger Crew 2016/17: Anita Kaya (Künstlerische Leitung), Brigitte Wilfing, Sabina Holzer, Steffi Wieser, Sophie Schmeiser, Nora Pider, Matan Levkovich, Juan Munoz, Edgar Aichinger, u.a.

www.imflieger.net


Alexander Gottfarb u.a./ Kunstverein Archipelago

On Earth / The Loose Collective

Under the working title On Earth The Loose Collective proposes a trilogy - a series of three differently formatted choreographic works, which will deal – from diverse angles - with one thematic trigger - the most basic drives of life and existence summed up in a triple F alliteration: Feeding, Fighting, and Fucking. Proposing a new cross-bred genre of musical-documentary-performance, The Loose Collective will attempt to answer the ultimate question of what makes humans humans.

ON EARTH - Feeding, Fighting and Fucking Part 1 and 2  are planned to premiere in 2016-2017, Part 3 in 2018.

www.theloosecollective.at

An Environment of Traces / G. Eckel, A. Gottfarb, A. Nowak, D. Pirrò

An Environment of Traces is an ongoing interdisciplinary research process, initiated in 2012,  articulating the practices of choreography, linguistics and sound art. The notions of trace, inscription and retracing are centre points of this work and they trigger an avalanche of related questions on perception, attention, language, memory, change and transformation. The project, entailing open labs and interim presentations will be closed with final presentations in the spring of 2017. 


Daniel Zimmermann/nadaproductions

Das Projekt Bedrohte menschliche Bewegungen/Endangered Movements der Compagnie nadaproductions widmet sich der künstlerischen Erforschung von traditionellen/rituellen Bewegungen, Tänzen und Arbeitsbewegungen (labour movements) aus verschiedenen Kulturen der Welt, welche entweder vom Verschwinden bedroht oder bereits verschwunden sind. Diese Bewegungen werden recherchiert, rekonstruiert, wieder erlernt und in dokumentarischen Performances neu interpretiert und kontextualisiert. 2016 und 2107 werden diese Forschungen auf fünf Kontinente ausgedehnt und in neuen Performances in Tanzhäusern und Festivals in Europa und Südamerika präsentiert. Bedrohte menschliche Bewegungen/Endangered Movements ist ein weiteres Projekt des von nadaproductions gegründeten Bundesministerium für Bewegungsangelegenheiten (BMFB), welches sich für die sozial-politische und bioethische Relevanz der menschlichen Bewegung einsetzt.

www.nadaproductions.at


Corinne Eckenstein/TheaterFOXFIRE Vorhaben 2015/16 /17

FOXFIRE wird heuer 20 Jahre! Das feiern wir mit der Tanztheaterproduktion  Blutsschwestern, wo nach drei Stücken mit jungen Männern (Boys don’t cryBoys are back in Town und Boys Awakening),  nun fünf junge Frauen und deren Lebenswelten im Mittelpunkt stehen werden. Grundlage ist der Roman von Joyce Carol Oates „Foxfire – Geschichte einer Mädchenbande“, der in seiner feministischen Konsequenz und utopischen Kraft für unser Theater sowohl Namensgeberin als auch Motor war und ist. Aber auch BOYS AWAKENING und Schüler, die auf Lehrer starren! werden im Herbst wieder aufgenommen.

Zu Beginn 2016 starten wir das Projekt „Logbuch 2016“, 6 Jugendliche dokumentieren über ein Jahr ihr Leben. Eine Co Produktion mit mehreren Städten in Europa, die 2017 als Performance präsentiert wird.

Im Frühjahr 2016 begeben wir uns mit Ghosthouse in der F23 auf Geistersuche.

www.theaterfoxfire.org


Elio Gervasi

Die Tanz Company Gervasi, der Verein für modernes Tanztheater, wird in den Jahren 2016/2017 mindestens zwei eigene Produktionen realisieren und darüber hinaus das neue Projekt „Tanz/Performance Research“ im „Raum 33“ initiieren und positionieren. Dieses richtet sich insbesondere an Nachwuchschoreograph_innen. Der „Raum 33“ hat sich bereits mehrfach als Location bewährt. Künstlern wie Simon Mayer und Tobias M. Dragee wurde hier die Möglichkeit für Research und Performance geboten. Durch fokussierte und komplexe Initiativen will die Company in der Wiener Tanz- u. Performancelandschaft weiterhin innovative Beiträge leisten. Dabei sollen die langjährige Kooperation und der künstlerische Dialog mit dem TQW und dem ImPulsTanz fortgesetzt werden.

gervasi.at


Claudia Bosse/theatercombinat

das vorhaben von theatercombinat besteht darin, durch eine hybride arbeitsweise material für die zwei großen 2016/2017 zu entwickelnden “gesamtkunstwerke” zu sammeln und diese über vorgelagerte arbeitsschritte zu kreieren. die stückentwicklungen verwenden material der recherchen – interviews, objekte und bildnerisches material – und überschreiben diese mit performativen scores, gesang, sprechakten, choreografien von körpern. beide stücke sind eine kombination aus performance und installation, sie öffnen aktionsräume zwischen gesellschaft sowie der bildenden und darstellenden kunst.

 

 


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