Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Kurztexte zu den geförderten Projekten für das Frühjahr 2015

(Einreichtermin 15. Juni 2014; Texte stammen von den Künstlern und werden laufend ergänzt)


Martin Gruber und Martin Ojster/aktionstheaterensemble/Drei Sekunden

Regisseur Martin Gruber begibt sich mit seinem Schauspielensemble auf eine infernalische Reise durch Momente der Angst, um diese aufzulösen und das Glück zu finden. Anhand von Texten von Wolfgang Mörth und Interviews werden in Echtzeit  Angstzustände seziert, zerlegt und zu einem dramatischen Gesamtkunstwerk neu zusammengefügt. Und so kann sie losgehen, die lustvolle Reise durch die schönsten und poetischsten Momente der Angst!

Man könnte einen Moment im Leben, die Dauer des Jetzt, über die Länge von drei Sekunden definieren. Ein Augenblicksmaß sozusagen. Zugleich geht es aber auch um die Definierung der Endlichkeit dieser Momente, die einer nach dem anderen vergehen, unwiederbringlich. Es ist ein Countdown bis zum letzten Moment, dem Tod. So beginnen die SchauspielerInnen ihren Sprechtext wie unter dem Einfluss einer Wahrheitsdroge, arbeiten sich durch ihre Ängste, durch Traumata und abgesunkene Wünsche. Und versuchen dabei, wahrhaftige Augenblicke ins Jetzt zu holen. 

Regie, Script: Martin Gruber

Text: aktionstheater ensemble und Wolfgang Mörth

Dramaturgie: Martin Ojster

Installation: Felix Dietlinger

Musik: Florian Komet

Mit: aktionstheater ensemble

www.aktionstheater.at


Thomas Groß/Bahamut Productions: 604Tausend800 Wüste Teil II.

Vita activa oder Das denkende Herz

Nach der Beschäftigung mit dem Herzschlag der Müdigkeit in „Müdigkeit und

Stadt„, möchten wir uns nun - weiterhin Byung - Chul Hans „Müdigkeitsge-

sellschaft“ folgend, dem Erwachen der menschlichen Vernunft und der dar-

aus folgenden Legitimation der Sinngebung für Arbeit, Herstellung und Hand-

lung zuwenden.

Damit soll ein weiterer Schritt getan werden in eine theatrale und sinnliche

Übersetzung und Überprüfung von Hans Gegenwartsanalyse.

„Wenn das Herz denken könnte, stünde es still.“

Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

Leading Team

Idee + Text: Bahamut Productions

Regie: Noemi Fischer

Licht und Ton: Lukas Kaltenbäck

Ausstattung: Markus Kuscher

Komposition: Ruei - Ran Wu

www.bahamutproductions.com


Holzer Sabina/cattravelsnotalone/DER DIE DAS

DER DIE DAS ist eine Performance von Jack Hauser und Sabina Holzer, in der sie mit unterschiedlichen Medien die Ordnungssysteme beleuchten, die unsere Beziehungen zu unserer (Um)Welt und unserem Zusammenleben bestimmen. Sprache / Schrift; Bewegung / Tanz; Dia / Film und Sound werden choreografisch übereinander gelagert und geschichtet, so daß unterschiedliche Intensitäten wirksam werden. Die Besucher_innen kommen in eine Werkstatt, einen Arbeitsraum in dem Welten entstehen, zusammenbrechen und sich neu zusammensetzen. 

DER DIE DAS performt eine Lecture, in der Medien und Materialien in ihrer Weise zu Vortragenden werden. Holzer und Hauser sich entlang existentiellen Selbstdefinitionsbrüchen bewegen. In einem poetischen Prozess der „Erzeugung von Ungleichheit“ widmen sie sich den Details und Zwischenräumen, den Ausnahmen und Ausfällen, bestärken ihre Singularitäten und Seltenheiten. Und führen sie wieder und wieder zusammen. Denn Zusammen leben wir. Alle und alles zusammen.


Hannes Wurm/das Schaufenster/if

Albinos leben gefährlich in Tansania. Zwielichtige Wunderheiler behaupten, ihre Gliedmaßen würden Glück, Macht und Reichtum bringen. Kriminelle machen Jagd auf die Menschen mit der bleichen Haut, um ihre Gliedmaßen zu verkaufen. Die Knochen der Ermordeten landen in Zaubertränken, ihre Haare flechten Fischer in Netze, weil sie glauben, dann mehr zu fangen. (aus Aberglaube in Afrika von Judith Raupp)

http://www.dasschaufenster.at


Hagnot Elischka/Einmaliges Gastspiel/Horrortrip!

Über die scheinbar unmerkliche Verengung des Blicks auf die Welt, die in den Wunsch mündet, das zu vernichten, was unglücklich macht.

Wege der Radikalisierung.

Eine fraktale und iterative Erzählweise wird die Tiefe der Recherche an die ZuschauerInnen herantragen - und sie möglicherweise an eigene Problematik erinnern können.

Unter Mitarbeit von Forschung und Wissenschaft.

www.einmaligesgastspiel.at


Michael Smulik/English for English Lovers/

Exposure (Enthüllung; Bloßstellung; Entlarvung)

Ein improvisiertes Theaterstück, welches den Konflikt zwischen privaten Meinungen und dem Schaden den diese, würden sie veröffentlicht, auf unsere Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit haben können, untersucht.

Vor der Vorstellung wird das Publikum gebeten, anonym, persönliche Ansichten abzugeben, die sie für nicht salonfähig halten, Gedanken die sie nie mit ihrem Freundeskreis teilen würden.

Jeder Schauspieler erschafft einen Charakter, der von den Eingaben des Publikums inspiriert ist.

Die Figuren erhalten ein physisches und textliches Vokabular, sowie  Musikthemen, die im laufe des Stückes als Soundtrack verwendet und immer weiter integriert werden.

Wichtig ist nicht die Entstehung eines Plots, sondern die Sichtbarmachung des Beziehungsgeflechts, um eine psychologische Beglaubigung der Figuren zu erreichen.

www.english-lovers.com


Deborah Hazler/ Angry Agnes Productions/Keep Us Going

Keep Us Going ist eine partizipative Tanzperformance, in der Ausdauer als körperliche Leistung im Mittelpunkt steht.

Mit dieser Arbeit möchte Deborah Hazler sich einerseits auf körperliche Ausdauer im zeitgenössischen Tanz, andererseits mit Ausdauer als Leistung und Wettbewerb auseinandersetzten, während sie gleichzeitig eine Performance schafft, in der das Publikum sich nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Kollaborateur, Mitwirkender und freiwilliger Teilnehmer eines Performanceevents versteht, das ohne seine Beteiligung nicht existieren kann.

Mit: Deborah Hazler, Sarah Holcman, Anat Stainberg, Set und Kostüm: Anke Philip

Koproduktion: Brut

Aufführungen Ende April 2015


Akemi Takeya/Imeka/Little Stories About SOS Gruppenversion

" Little Stories about S.O.S." is conceived in three distinct realization forms, such as Solo and Group Version, and a Performance Recipe Book. Akemi Takeya will now complete the Group Version (with 4 performers)  which consists of two structural parts : 1) “32 interpretations of the original S.O.S.” -  a performance exhibition featuring as a medley, and 2) “short story based on the first part” - a voyage transforming the 32 elements into a body negotiated in connection with various situational aspects of crime, from the viewpoint of a “dry” spirit of criticism watching human existence.


Isabella Wolf/junger salon/

-FLOW-

Theaterproduktion mit Jugendlichen und professionellen Schauspieler/innen  in Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus der Wohneinrichtung „wieder-wohnen–fonds soziales Wien“ und Salon5

Wann hat man „es geschafft?“

Wir leben in einer Gesellschaft die vorgibt, dass all jenes möglich sein kann und muss, von dem man sich wünscht, dass es möglich wäre. Die zunehmende Individualisierung und Eigenverantwortung führt zu Überforderungen. Die Wunschvorstellungen von unserem Leben und die realen Umsetzungsmöglichkeiten sind nicht mehr zu vereinen.

Für die Jugend von heute gibt es schon lange keine Zukunft mehr zu erobern. Gibt es Fehlentscheidungen, die man meiden sollte? Kommt  Jahre später die große Reue?


Nikolaus Adler/Kulturverein für zeitgenössischen Tanz/Abblende

Ausgehend von der Schlussszene von Robert Bressons Film Zum Beispiel Balthasar (1966), die das Sterben des titelgebenden Esels inmitten einer Schafherde zeigt, begeben sich in Abblende sieben TänzerInnen auf die Suche nach den Mechanismen einer sie bewegenden Filmszene. Im Laufe der Auseinandersetzung mit der Sterbeszene des Tieres, die im Stück nie gezeigt wird, tritt diese vor den unterschiedlichen choreografischen Zugangsweisen in den Hintergrund, die DarstellerInnen selbst werden zum Zentrum, werden zu den Projektionsflächen unserer Sehnsüchte. Es entsteht ein getanzter „Abgesang“, in dem Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen zu Grabe getragen werden und das Trauern über unsere verlorene Unschuld in den Vordergrund tritt.

Sowohl im Arbeitsprozess als auch in der Inszenierung wird versucht, in Anlehnung an Bressons ästhetischer Theorie der „Modelle“ ‒ der vor 15 Jahren verstorbene französische „Großmeister der Filmgeschichte“ (Österreichisches Filmmuseum) meinte damit "ein Kino der erzählerischen Verknappung, der Reduktion filmischer Mittel und der konsequenten Arbeit mit Nicht-Schauspielern" ‒ Mittel zu finden, die TänzerInnen in einen Zustand der „Natürlichkeit“ treten zu lassen. Durch die bewusste Weitergabe der entstehenden persönlichen Scores von einem Tänzer/einer Tänzerin zum/r anderen werden die ausführenden Neu-InterpretInnen selbst zu einem „unbeschriebenen“ Blatt, die Emotionen und Gedanken müssen dabei von den RezipentInnen aktiv gefüllt werden.


Barbara Kremser/Kunst- und Kulturverein Creme de la Kremser/

WUNSCHKIND eine Geisterfahrt

Ungewollte Kinderlosigkeit gehört vermutlich zu den schlimmsten Kränkungen des Lebens. Ja, Natur ist so. Wenn die Reproduktionsmedizin Paaren helfen kann, ist das zunächst mal gut. Die heutige Medizin reagiert allerdings nicht nur auf den Kinderwunsch, sie postuliert regelrecht den Wunsch nach einem Kind um jeden Preis, koste es was es wolle. Kinderwunsch ist zu einem Krankheitssyndrom geworden. Fruchtbarkeit gilt mittlerweile als Effekt persönlicher Einsatzbereitschaft; es kann in unserer Gesellschaft fast nicht mehr akzeptiert werden, dass man kinderlos bleibt. Alles ist machbar, wenn man nur genug diszipliniert ist. Und wer trotzdem kinderlos bleibt, der hat nicht alles gegeben, der ist ein Versager. Ja, unnatürlich! Ein Wunschkind muss her. Ein Wunschkind macht sich chic. Ein Wunschkind ganz nach meinem Geschmack.

WUNSCHKIND setzt sich mit dem Diktat der Fruchtbarkeit, mit der penetranten Optimierung der Gegenwart, mit den Untoten und mit dem bloßen Leben auseinander. WUNSCHKIND ist ein theatraler Spaziergang durch den Wiener Prater, der seinen Höhepunkt in der ältesten Geisterbahn Wiens findet. Premiere: 17.3.2015 im Wiener Prater (weitere Vorstellungen vorauss.: 18.3. - 21.3.2015)

in Kooperation mit brut imagetanz 2015


Anna Mendelssohn/Miss Amen Kultur und Kunstverein/Drowning in the Amazon

Wir befinden uns in einem Reisevortrag, ähnlich den Diavorträgen im Audimax. Eine anthropologisch versierte Abenteuerreisende berichtet von ihrem Trip zum größten Warenfluss der Welt. Erzählt wird hier aber nicht von den letzten Wilden, sondern von der zerstörerischen Wildnis des ungezügelten Warenverkehrs. Statt auf Häuptlinge und Schamanen trifft unsere Reisende auf CEOs, Blurbwriter, Shopping Maniacs, Droneningeniere, Leistungsoptimierer, Self-Publisher, Gewerkschafter, Logistikexperten, Algorithmus Designer, polnische Packer, Konsumverweigerer und verzweifelte Literaturkritiker.

Die Kombination unaufhörlicher, technischer Innovation und Niedrig-Lohn-Ausbeutung macht Amazon zum Inbegriff eines erfolgreichen New Economy Konzerns. Drowning in the Amazon versucht zu verstehen welche Effekte ein solcher Konzern auf unsere Wirtschaft, unseren Arbeitsmarkt, unsere Shopping- und Lesegewohnheiten, den Kleinhandel, auf soziale Strukturen und unsere Privatsphäre haben kann.

Künstlerische Leitung/Performance: Anna Mendelssohn, Regie: Yosi Wanunu, Musik: Christian Seliger, Produktion: Bernhard Seyringer, Koproduktionspartner: Tanzquartier Wien


Susanne Draxler/Nestbeschmutzer & Innen/Dr. Österreicher sieht fern

Dr. Österreicher sieht fern. Er zappt gelangweilt durchs Angebot. Bei den Bildern von der Protestkundgebung gegen den Akademikerball hält er inne. Morgen jedoch wird er sie bereits vergessen haben. Von der Flüchtigkeit  allen medialen Geschehens handelt dieser Theaterabend. Nicht ausschließlich, aber vorwiegend. In Anlehnung an Max Frisch  (Biedermann und die Brandstifter), Peter Handke (Publikumsbeschimpfung) und Thomas Bernhard  (Heldenplatz) gestalten die AutorInnen Gerhild Steinbuch, Cornelia Travnicek, Martin Fritz und Thomas Köck  einen „Theaterabend in drei Episoden mit mehreren Werbepausen“ . Der Theaterraum mutiert zum TV-Studio, die multimedial inszenierte Wirklichkeit ermöglicht einen zeitgemäßen Zugang zu zeitlosen Themen.


Indira Nunez/Sehn Sucht

Süchtig nach Entfernung, Abstand, Grenzziehung und doch Kontaktsuche. Süchtig nach dem Sich sehnen... Alleinsein und Einsamkeit. Individualismus. Angst vor Intimität in Zeiten der Globalisierung. Die Suche nach einem neuen Zuhause und nach einem Gefühl des Angekommen seins. Die fehlende Geborgenheit und das Alleinsein wachsen parallel zur konstanten Suche nach elektronischen Aktivitäten, die unser Leben „(er)füllen“. Die Sehnsucht, die zur Sucht wird.

www.in-di.org


Teresa Vitucci/Lunchtime

LUNCHTIME
Eine Koproduktion von OH DEAR productions und imagetanz/brut Wien

Die Wiener Performerin Teresa Vitucci untersucht in ihrer Soloarbeit LUNCHTIME die Beziehung zwischen einem Körperideal oder dem Konzept eines heiligen/spirituellen Körpers und dem Körper des Fleisches, des Appetits, des Ekels im Kontext von Komik und zeitgenössischem Tanz.

Sie arbeitet daran eine Verbindung zwischen diesen Körperkonstrukten zu finden, indem sie mit den Mitteln der Performance, des Tanzes, sowie des Theaters Zerrbilder realer und spiritueller Figuren inkorporiert.

Besetzung:
Choreografie u Performance: Teresa Vittucci -
Dramturgische Mitarbeit: Andrea Salzmann -
Ausstattung: Anke Philipp -
Musik: Sebastian Meyer -
Produktion: Julia Wiggers -
Assistenz: Alexander Kühn

Premiere am 10.03.2015 im Brut im Konzerthaus


Karin Pauer/Phonetic Art/remember this kiss you’ve never tasted

‚remember this kiss you’ve never tasted’ ist ein installatives ‚long durational’ Performance Projekt. Von und mit der Performerin Karin Pauer und dem Sound- und Videokünstler Alex Kasses.

Inhaltlich befasst sich die Arbeit mit Nostalgie, Utopien und Visionen, mit der Suche nach Zugehörigkeit und der Bedeutung eines Heimatbegriffs. Es wird ein Raum gestaltet, der zum Verweilen einlädt, dem Zuschauer Raum zur Selbstreflexion bietet und in welchem intersubjektive Begegnungen ermöglicht werden.

Durch ein Zwischenspiel von Video, Sound, Performance, Sprache und Objekten werden skulpturale Inseln und Raum-atmosphären gestaltet.


Luke Baio und Dominik Grünbühel/Pufferfish Kunstverein/Ohne Titel

Ohne Titel (Arbeitstitel)

Im Zentrum dieses Projekts von Luke Baio und Dominik Grünbühel steht die künstlerische Forschung. Die Rahmenbedingungen werden durch ein technisches Set-up definiert. Ein möblierter Raum ist mit bis zu 100 Minikameras ausgestattet. 

Da der Raum ein geschlossenes (technisches) System ist, kann er sowohl auf Bühnen als auch auf theaterfernen Orten aufgebaut werden.

Die Forschungsfrage bezieht sich auf die Möglichkeiten des / der Performer in der ständigen Doppelmontage aus Realbild und kinematographisch gestaltetem Bild zu agieren.

Die Serendipität, also die Erkennung und künstlerische Verwertung glücklicher Zufälle, ist ein Bestandteil unserer Methodologie, sowie der Umgang mit inneren uns äusseren Widerständen im künstlerischen Prozess.

Premiere: Juni 2015

Produktion: Julian Vogel

Pufferfish Kunstverein

www.lukeanddom.org 


Julia Burger/reschen.see/Depeche Mode

Der Roman „Depeche Mode“ beschreibt fragmentarisch, durch eine beschleunigte Sprache und in skurillen bis slapstikhaften Szenen einige junge Menschen in der ukrainischen Stadt Charkiw. Der Text ist Roadmovie und Zustandsbeschreibung eines sich im Umbruch befindenden Landes zugleich.

Serhji Zhadan, der seinen Roman in Form einer Ich-Erzählung schreibt, lebt in Charkiw, nach Kiew der zweitgrößten Stadt der Ukraine. Seine Freunde: Dog Pawlow, Wasja Kommunist, Kakao und Sascha Zündkerze leben eine Revolution, Energien die sich in erster Linie gegen sich selbst richten. Studium oder Arbeit sind zweitrangig, an erster Stelle stehen der Konsum von Drogen und Alkohol, als Protest gegen ihre soziale Position.

Dog Pawlow , Wasja Kommunist und Serhji Zhadan erreicht die Nachricht, dass Saschas Stiefvater tot ist, sie versuchen ihn zu finden, um ihm diese Nachricht zu überbringen. Sie nützen ihre Kontakte in Charkiws Untergrund um Sascha Zündkerze ausfindig zu machen und begeben sich schließlich bis an die russische Grenze um ihn zu finden.

Serhji Zhadan sagt über sich selbst, dass er nicht politisch schreibt, dass er über Menschen schreibt, denen er begegnet ist, die ihn interessieren. Diese Zustandsbeschreibungen, Beschreibungen von Situationen in einer Stadt, die anders funktioniert, als westliche Städte, machen ihn zu einem politischen Autor wider Willen.

„Depeche Mode“ ist beides: die Beschreibung eines sich im Umbruch befindenden Landes, einer Stadt, eine Beschreibung von Menschen, die die letzte demokratische Jugend der Sowjetunion und die erste demokratische Jugend der unabhängigen Ukraine sind.

„Depeche Mode“ soll im Wesentlichen durch die drei Hauptfiguren Serhij Zhadan, Dog Pawlow und Wasja Kommunist erzählt werden. Das Leben in Charkiw, die Menschen, denen sie begegnen, mit denen sie leben und ihre gemeinsame Reise an die russische Grenze zu Sascha Zündkerze.

Charkiw, als Transitort, im Übergang eines politisch/wirtschaftlichen Wechsels und die spätere Zugreise – ein Zug, auch ein Transitort markieren die Schauplätze in „Depeche Mode“. Um die Bewegung zu verdeutlichen, den Wandel die Veränderung, ist die Idee die Bühne mit Hilfe der Projektion optisch zu verändern.


Andrea Maurer/studio 5/numbers in pieces

 

In ihrer neuesten Zusammenarbeit numbers in pieces rechnen Andrea Maurer und Ewa  Bańkowska  mit vorgegebenen Maßstäben von Raum und Zeit ab. Statt sich dem allgemein gültigen Wahrheitsanspruch mathematischer Modelle zu unterwerfen, werden Zahlen aus ihren gewöhnlichen Kontexten entfesselt und in Bewegung versetzt. In Komplizenschaft mit mathematischem Kalkül und unberechenbarem Zufall jonglieren Maurer und  Bańkowska  mit Reihenfolgen, Maßeinheiten, Funktionen und Wahrscheinlichkeiten, machen Rechenproben aufs Exempel und geraten dabei immer wieder aufs Glatteis der Unvereinbarkeit von theoretischer Anschauung und praktischem Tun. So führt in etwa eine ordentliche Aufzählung systematisch zu einer fürchterlichen Unordnung, deren Wahrscheinlichkeiten in immer wieder neuen An- bzw. Unordnungen entziffert werden. Maurer und  Bańkowska  hantieren mit Koordinaten und imaginären Zahlen, kombinieren Kurven mit Winkeln, verwandeln Mengen in Nichts. Dabei verkehren sich logische Operationen stets in unlogische Konstruktionen während Sinn und Unsinn ständig wechselnd Stellung beziehen. Mit  numbers in pieces  wird die Quantifizierbarkeit menschlicher Arbeit und gesellschaftlicher Prozesse auf humorvolle Weise in Frage gestellt.

Konzept und Performance Andrea Maurer, Ewa  Bańkowska   Künstlerische Begleitung Frans Poelstra Produktion studio 5; www.studio-5.at


Sebastian Prantl/Tanz Atelier Wien/(De)constructing Mozart

Klangstrukturen aus Orgelpartituren Mozarts sind das

Ausgangsmaterial für das von Karlheinz Essl entwickelte

elektronische Kompositions- und Improvisations Environment

m@zeº2.

Die Pianistin Cecilia Li - als ausgewiesene Mozartinterpretin -

wird bei der „akustisch-kinetischen“ Recherche mit Sebastian

Prantl (Choreographie) und Karlheinz Essl im Rahmen Trans

Art Works 2015 interagieren.

Zeitplan: Recherche/3 Aufführungen 16. 02. – 16. 03. 2015

Aufführungsort: Tanz Atelier Wien

www.tanzatelierwien.at


Gisela Heredia/tanz.coop/you’re sexy, you’re cute – take off your riot suit

You´re sexy, you´re cute - take off your riot suit ! setzt sich mit der Körperlichkeit des Protestierens und Demonstrierens auseinander und untersucht die Gesten, Zeichen und Bewegungen der aufgebrachten BürgerInnen.

Stay together and keep moving! Hop hop, wall, melt, die-in, charge, civilian, ...

Ein Tanzstück mit einer eigenen und individuellen Ästhetik, die die Gegenwart reflektiert.

www.tanzcoop.com


Otto Krause und Milan Loviska/Territorium Kunstverein/Third Life Project

Die Künstler Milan Loviška und Otto Krause werden gemeinsam mit Experten in Virtual World Design und Programmierung, Tracking und in der Entwicklung cyber-physischer Apparate, aktuelle und neue Möglichkeiten der Entwicklung einer Avatar-Performance für ein reales, physisch anwesendes Publikum erforschen. Die Performance wird sich zwischen gemischten Realitäten (physisch und second life) bewegen und hat zum Ziel, die Tür zum „third life“ aufzustoßen.

Uraufführung Oktober 2015, WUK Wien.


Flo Staffelmayer/Theater Ansicht/Zwischen Rosarot und Himmelblau

Keine Etikettierungen. Keine Zuschreibungen. Wertungsbefreite Datenverarbeitung ist den IFOS, Informationskollektoren, Lebewesen aus einer überirdischen Dimension, möglich. Sie begeben sich auf Forschungsreise, um Informationen über die Menschen zu sammeln. Kinderstimmen liefern das Material, dass wertungsfrei von ihnen absorbiert und tänzerisch verarbeitet wird. Die Tanztheaterinszenierung „Zwischen Rosarot und Himmelblau“ entlarvt Stereotypisierungen und schafft den Weg für neue Zugänge zum Thema Gender-Identitäten bei Kindern.


Carolin Vikoler/Theater- und Kulturverein das kunst/ daskunst: "Almanci/Deutschländer"

"Aycan, der noch nie in der Türkei war, faltete seine Unterhosen sorgfältig in einen kleinen Koffer, kaufte sich ein Ticket nach Istanbul, kam im Gezi Park an und sagte: Endlich!“

Almanci handelt von Aycans, Alevs, Dannys und Danielas, die in ein Land aufbrechen, dem sie sich zugehörig fühlen, oder dem sie sich zugehörig fühlen wollen. Almanci ist die Geschichte von Menschen die endlich "endlich" sagen wollen.


Akos Hargitay/Two in One/BREAK OUT, Concorso Cooperativo

Eine Tanz_Musik_Performance_Trio rund um Wettbewerb und Zusammenarbeit

für Jugendliche zwischen 13+ bis Erwachsene

Eine Gruppe, bestehend aus drei TänzernInnen, wird eine Performance

erarbeiten, bei der das Bewegungsvokabular des Break Dance im

Vordergrund stehen soll. Es ist jedoch eine tänzerische Mischung aus

Break Dance und Contemporary Dance geplant. Ich möchte die Break Dance

Elemente und die Dramaturgie des Wettstreits des Break Dance auf einer

analytische Art und Weis behandeln. Bewegungen, welche zum Ausdruck

der Tänzer dienen sollen und sorgsam erprobt werden, haben das Ziel

den performativen Charakter des Stückes zu unterstreichen.

Die Vermischung von Contemporary Dance und Urbaner Kunst wie Break

Dance und eine authentische und künstlerische Qualität ohne

kommerziellen Kontext ist unser Ziel.

Musik: Gammon / AT / soundartist, amplified drums

The basic idea originates from previous Bodyparkour collaborations and

is meant to be a work in progress focusing on the relation of movement

and sound and in this time to use amplified drums.

Performer: ein B-girl N.N., Petr Ochvat, Akos Hargitay


Gin Müller/Verein zur Förderung der Bewegungsfreiheit/

Dr. Kawis Erforschung der Liebesstile ist der Titel eines experimentellen „Tisch-Musicals“ bei dem die melo-dramatische "Komödie der Geschlechter" auf einer kleinformatigen Drehbühne inszeniert wird, die als Performance- und Konzerttisch dient. Die drei MusikerInnen und PerformerInnen Barbara Kaiser, Tamara Wilhelm und Gin Müller realisieren als Bandkollektiv ein musikalisches "Lustspiel", das anhand des so genannten “Einstellungs-Inventar der Liebesstile” verschiedene prominente und “ver-queerte” Biographien und ihre Zugänge zu Liebe, Sex und Politik in Beziehung stellt. 

 


Oleg Soulimenko/Vienna Magic/Ritualization.Dance as Shamanism (working title)

Bei RITUALIZATION. DANCE AS SHAMANISM geht es um das Hereinholen der schamanistischen Tradition Sibiriens in das zeitgenössische Theater. Keine folkloristische Karneval-Show, keine Ironisierung, sondern der im positiven Sinn naive, aber ernsthaft unternommene Versuch herauszufinden, was Rituale uns heute bedeuten können; eine Verbindung des schamanischen Wissens mit dem modernen westlichen Leben. Zusammen mit der Künstlerin Anna Jarmolaewa wird ein dokumentarisch-künstlerisches Video der schamanischen Kultur gestaltet.

In einem zweiten Schritt kreiere ich gemeinsam mit Live-MusikerInnen eine Performance im brut Künstlerhaus, wobei die Musik so wie in schamanistischen Ritualen eine wichtige Rolle spielen wird. Wir etablieren heutige Rituale mit alltäglichen Gegenständen, machen das Theater zu einem Raum der Meditation und setzen dabei den Vertrag mit dem/der ZuschauerIn neu auf. Theater als Ort der Ekstase, Theater als Ort direkter Kommunikation, Theater als Ort der Wünsche.

Premiere 16. April 2015, weitere Vorstellungen 17. und 18. April 2015, brut

Konzept, künstlerische Leitung und Performance: Oleg Soulimenko

Bildende Künstlerin, Video: Anna Jermolaewa

Gast Performer: schaman x und schaman y

Text: Rosemarie Poiarkov

Musik: dieb13

Set und Kostüm: Anke Philipp

künstlerische Assistenz: Jasmin Hoffer


Jaqueline Kornmüller und Peter Wolf/wenn es soweit ist/Marias Testament

Marias Testament nach dem Roman von Colm Toibin

Maria, die Mutter Jesu, glaubt nicht daran, dass sie die Mutter Gottes ist. Sie weiß nur, dass ihr Sohn auf die entsetzlichste Weise hingerichtet wurde und "dass der verfluchte Schatten dessen, was geschehen war", sich niemals verziehen wird.

"Ich weiß, dass er von Dingen geschrieben hat, die weder er noch ich gesehen haben."

www.wennessoweitist.com


Rebekha Wild/Wild Theatre/Die Seiltänzerin

Die Hauptdarstellerin dieses Kindertheaterstückes ist eine junge Frau namens Jenny Anderson, die vor hundert Jahren in Neuseeland lebte. Sie veränderte ihr Leben, indem sie weglief und sich einem Zirkus anschloss. Jenny verschwand aus der Geschichte und wurde, wie so viele Frauen, vergessen. In dem Stück wird die Geschichte ihres Lebens und ihrer Wiederentdeckung dargestellt. Damit wird die Basis für eine interaktive Mitarbeit mit den Kindern gelegt. Die Puppen werden geschnitzte, hölzerne „tabletop puppets“ sein. Für Kinder von 3 bis 8.


Yvonne Zahn/Zeppelin Weltraum Clique/Emils Detektive

Jetzt wäre Emil gerne ein cooler Held‚ so einer wie im Film. Dann könnte er einfach den Mann mit dem steifen Hut verfolgen und zur Strecke bringen. Der hat ihm nämlich am Bahnhof sein ganzes Taschengeld geklaut. Doch Emil ist neu in der Stadt. Und ohne Geld und ohne Freunde läuft gar nichts. Da taucht Pony Hütchen mit ihrem Fahrrad auf und Gustav mit der Hupe, ein Typ, der lieber tanzt als redet. Sie beschließen: die Sache muss gerächt werden. Alle Kinder  aus der Nachbarschaft werden mobilisiert. Jeder tut das, was er am besten kann, ob telefonieren, Kunststücke auf dem Fahrrad vollführen, Skateboard fahren oder tanzen. Alles wird gebraucht. Mit Fantasie, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen jagen sie den Dieb durch die ganze Stadt. Und am Ende werden sie tatsächlich zu echten Helden, nicht nur wie im Film.


Lukas Cejpek/Zettelwerk

Margret Kreidl: Eine Schwalbe falten (UA)

Regie: Lucas Cejpek

Kabinetttheater, Premiere: 16. April 2015

Eine Schwalbe falten ist der Monolog einer Frau, die sich ebenso spielerisch wie verzweifelt selbst behauptet, indem sie Listen macht, Reime, Gedichte, Geschichten. In Zusammenarbeit von Autorin, Darstellerin und Regisseur soll für den in sich gebrochenen Text eine stilisierte Bewegungssprache und eine einfache Formensprache für Bühne, Kostüm und Requisiten entwickelt werden. Minimalismus: äußerste Konzentration.


Dorothea Zeyringer

Sööt/Zeyringer – Klubi - lonely lonely

In lonely lonely Sööt/Zeyringer transforms their performative research about desired and undesired loneliness into a rhythmical dialogue of simple movements and speech. Two cardboard boxes and two bodies on stage propose possibilities to deal with the need to be together and the need to be left alone. The performers overcarefully carry out a complex pattern of visual and audible fragments of loneliness in a nearly ridiculous manner.

Concept and performance: Sööt/Zeyringer

lonely lonely is a coproduction of imagetanz/brut Wien, Sõltumatu Tantsu Lava and Klubi - Verein zur Förderung von Kunst und Kultur.


Petr Ochvat/Corpse of a Dance Piece

Maggie Palms/Anna Prokopová/Costas Kekis/Petr Ochvat/Corpse of a dance piece (CoDP) is a proposal for stage that operates between dance performance and physical practice. 

Metaphorical and creative drive of CoDP is the zombie creature as presented in popular cinema since the mid-20th century. The zombie is a rude stuff of generic humanity which constitutes a critique of the individualistic and narcissistic values of the West. In its unique anonymous and collective existence, the zombie offers an alternative to the current political and societal condition by focusing on grouping, spontaneity and pure action moved by instant tactics and not predetermined strategies.

Maggie Palms was founded by Costas Kekis, Anna Prokopová and Petr Ochvat in December 2012 in Vienna. Inspired by the training of Paz Rojo entitled Weighting / Bodying / Communing and her lecture Corporal Sensitivity as Political Art? in Tanzquartier Wien, they decided to make further inquiries and follow Rojo’s agenda. CoDP will be premiered at imagetanz 2015 brut Wien.


Lilian Matzke/Rolling Floyd Kunstverein/(The) Rolling Floyd

Ein Stück mit Puppen und Menschen/Uraufführung
Jurypreis des Nachwuchs-Theater-Wettbewerbes 2014/Koproduktion (The) Rolling Floyd und Theater Drachengasse
Bar&Co, 19.–31.Jänner 2015, Di-Sa um 20 Uhr



In unserer reizüberfluteten, immer schneller werdenden Welt gibt es keine Zeit mehr für wahre Gefühle. Unsere Protagonisten ringen um Ohren und Aufmerksamkeit: Sie versuchen den Schrei nach Liebe und durchdringen den massenmedialen Überfluss. Was muss das Individuum tun, um mit seinen selbstkreierten Images im Strom der Relativität zu überleben und ausreichend LIEBE zu finden? Wie soll Julia im Meer der virtuellen Möglichkeiten ihren einzig wahren Romeo finden?
Antworten suchen unsere Protagonisten in den wahren Worten der lebenden Rocklegenden Rolling Stones und in der Musik von Pink Floyd, um ihre gefrorenen Herzen wieder aufzuwärmen.

Konzept, Regie, BildBau: Lilian Matzke/ Text, Dramaturgie: Joris Löschburg/ Puppenbau: Wiebke Alphei, Lilian Matzke/ Lichtanimation, Sound: Teodora S. Vlad/ Live-Musik, Live-Sound: Nicolas Pannetier/ Produktion: Leila Matzke/ Regieassistenz: Philipp Keese/
Schauspiel, Puppenspiel: Friederike Hellmann

 


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