Kuratorium Theater, Tanz, Performance

wiewaswarum

 

Als erstes muss mit zwei Gerüchten aufgeräumt werden: weder ein Spielstättennachweis noch ein persönliches Gespräch mit den KuratorInnen sind Voraussetzungen für eine Empfehlung.

In Gesprächen fragen wir zwar immer, ob schon Kontakt mit einer Spielstätte aufgenommen wurde bzw. welchen Raum man sich für die Umsetzung wünscht, jedoch geht es dabei mehr um etwaige Kostenbeteiligungen und künstlerische Visionen. Und ein Gesprächstermin ist auch nur für ein erstes Kennen lernen sinnvoll, wenn es neue Informationen, die über die Einreichunterlagen hinausgehen gibt oder wenn Mann/Frau seine/ihre Begeisterung für das Projekt wirklich mündlich besser ausdrücken kann.

Nach meinem ersten Jahr kann ich sagen, dass Druckausübung, Aggression und ein Vorgreifen auf unsere Empfehlungen – etwa bei Pressekonferenzen – keinen Einfluss auf den Fördervorgang haben. Wir versuchen unsere eigenen Befindlichkeiten bei den Entscheidungen außen vor zu lassen. Künstlerische Qualität, der gute, alte Zeitgeist, Sichtbarkeit und natürlich Diversität - sowohl in der Herkunft der Einreichenden als auch im künstlerischen Ausdruck - müssen mehr zählen.

Alle Kuratorien in ihrer wechselnden Besetzung waren bemüht, dem Generationenvertrag gerecht zu werden. Mit der wachsenden Zahl an KünstlerInnen, Gruppierungen und Gruppen mit ihren jeweiligen künstlerischen Positionen wird das jedoch immer schwieriger. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass jede(r), der einmal eine Ein- oder Zweijahresförderung bekommen hat, diese dann kontinuierlich immer weiter bezieht. Dass KünstlerInnen, die mehrmals einen Produktionskostenzuschuss bekommen haben, in Folge automatisch in die Einjahresförderung aufsteigen, sowie dass wir den Nachwuchs fördern und gleichzeitig auch alle bis dahin bereits geförderten DarstellerInnen, DenkerInnen und Kreativen mit Produktionskostenzuschüssen bedenken.

Trotzdem: wir freuen uns über jede „gelungene“ Produktion – gefördert oder nicht -, weil sie das beste Argument für die freie Szene ist. Ob jetzt Herz, Hirn, Leidenschaft und Publikumsinteresse für ein gelungenes Projekt ausreichen oder ob es doch noch ein bisschen mehr braucht, dieser Frage gilt weiterhin unsere Suche abseits der Zahlen und Fakten.

 

Abschließend doch noch ein paar Zahlen und Fakten:

Von 151 Einreichungen konnten wir für 42 eine Empfehlung aussprechen.

Diese Vorhaben setzen sich wie folgt zusammen: 10 zeitgenössische Sprechtheaterformen, je 1 Musiktheater, 1 Impro Theater, 1 Figurentheater, 1 Straßentheater und 1 Nachwuchswettbewerb, 4 Kinder- und Jugendtheater, 6 x Tanz und 17 Performances; Natürlich sind viele der ausgewählten Einreichungen auch spartenübergreifend, und etwa die Hälfte der Projekte kommt vom künstlerischen Nachwuchs.

 

Bettina Hagen für das Kuratorium

 

 

 


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