Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Wohin die Reise geht. In einer idealen Welt sollte unsere Auswahl (34 Produktionen und 8 Einjahresförderungen von 173 Einreichungen) das Spannendste, Innovativste und Erstaunlichste im großen Pool der darstellenden Künste in Wien abbilden. Und dann sollten damit noch möglichst viele in Wien lebende Menschen erreicht werden. In der Realität reicht das Geld nicht für alle(s), sodass diese Auswahl „nur“ eine Momentaufnahme unseres Wissenstandes, unserer Erfahrungen und letztlich unseres Gewissens sein kann. 

 

Gäbe es übergeordnete Maßstäbe, hätten diese viel mit Vernunft und Ausgewogenheit zu tun, immerhin gilt es fünf Sparten (Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, Musiktheater, Tanz und Performance) zu bedenken, wobei es kein Geheimnis ist, dass für Theater mehr Bühnen als für Tanz und Performance zur Verfügung stehen, aber bei den so genannten Mittelbühnen auch Bedarf nach geförderten freien Produktionen besteht. Von den sieben Theaterproduktionen kommen drei von ganz jungen Gruppen. Deren besonderes Merkmal ist, dass sie sich selbst als Ensembles immer wieder neu formieren. Trotzdem: ein Spielstättennachweis ist keine Bedingung, vielmehr versprechen wir uns von der Erschließung bisher theaterferner Orte neue Publikumsschichten.

 

Wichtig ist uns zudem, dass der Performancenachwuchs Räume zum Ausprobieren hat: mit dem nada Lokal, mit den raw matters Abenden im Schikaneder und der Einjahresförderung von Arbeitsplatz, eines Ortes für Showings, Proben, Austausch aber auch Büroarbeit, den sich lokale Gruppen in Selbstorganisation teilen werden, hoffen wir, etwas Entschärfung in die Lage zu bringen.

Für Performance und Tanz gibt es diesmal wieder ein ganz großes Stück von unserem Kuchen. Gleichzeitig müssen wir im Hinblick auf die zur Verfügung stehende Summe in der Endauswahl manchmal auf das geschmacksneutrale Rezept einmal der/die eine, einmal der/die andere zurückgreifen.

 

Außerdem sprechen wir von Produktionskostenzuschüssen, auf die sich keine(r) verlassen kann und darf. Es ist uns auch bewusst, dass viele eine längere, oft wechselvolle Geschichte mit dem Kuratorium in der einen oder anderen Zusammensetzung haben. Letztlich sind wir aber dazu da, Förderempfehlungen abzugeben. Das heißt, alles, was unseren Wissenstand verbessern kann - und ich beziehe mich hier nicht auf die Länge der Einreichunterlagen, sondern auf rechtzeitige Einladungen zu eigenen Arbeiten und Showings oder links von Aufzeichnungen an unsere Mailadressen - ist willkommen. Bei der persönlichen Vorstellung von Projekten gilt es zu bedenken, dass uns so mache(r) ein Projekt auch schon ausgeredet hat. Der gegenteilige Fall ist häufiger, denn wirkliche Begeisterung ist bekanntlich ansteckend.

 

Wir wollen diesmal auch ein paar ganz jungen Performern eine Chance geben, ihre künstlerische Handschrift mit einem größeren Projekt zu festigen.

Allen, deren Ansuchen diesmal nicht gefördert wurden, sei gesagt: beim nächsten Einreichtermin werden die Karten neu gemischt und weniger Einjahresförderungen bedeuten mehr Geld für Projekte 2015!

 

Wohin die Reise geht? Die künstlerischen Arbeiten, die wir ermöglichen dürfen, werden den Weg weisen.

 

Bettina Hagen für das Kuratorium


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