Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Weichenstellungen und Weggabelungen

 

Das Jahr 2013 lässt sich als Jahr der Weichenstellungen bezeichnen. Meist wird die Liste der Projektkostenzuschüsse nur als Momentaufnahme gesehen und im begrenzten Zeitfenster des aktuellen Fördervorganges gelesen, diesmal ist es jedoch wichtig, den Zeitraum weiter zu fassen und die Förderinstrumente der 1-, 2- und 4-Jahres-Förderung mit zu betrachten.

 

Wie schon in unserem letzten Kommentar zum Fördertermin 15.02.2013 festgehalten, waren die Entscheidungen der 4-Jahres-Konzept-Jury ein wichtiger Parameter für die 1-Jahres- und 2-Jahres-Förderungen des Kuratoriums für 2014 bzw. 2015. In der Zusammenschau zeigt sich, dass die kraftvolle Entwicklung, die die Bereiche Tanz und Performance in den Jahren seit dem Milleniumswechsel genommen haben, sich in den langfristigen Förderungen widerspiegelt. Nahezu alle Künstler/innen und Gruppierungen, welche diese Entwicklung maßgeblich getragen und geprägt haben, können Ihre Arbeit beginnend mit 2014 über Einzelprojekte hinaus weiterentwickeln. Auch in den Bereichen Musiktheater und Theater für junges Publikum schlägt sich diese Entwicklung nieder, auch hier konsolidiert sich das offene, prozessorientierte und performancenahe Arbeiten und zahlreiche Gruppen wechselten 2013 von der Einzelprojekt-Förderung in längerfristige Förderstrukturen ab 2014.

 

Gleichzeitig beobachten wir, was die Entwicklung der Genres betrifft, einen neuen Fokus und eine neue Hinwendung zu Theater und Schauspiel; hatten wir zuletzt immer wieder konstatiert, dass die interessantesten Konzepte und Einreichungen mehrheitlich aus dem Bereich Tanz und Performance kamen, so scheinen sich auch hier über einen längeren Betrachtungszeitraum die Weichen neu zu stellen. Unter den von uns empfohlenen Theaterprojekten befinden sich auch einige, in denen sich die Erfahrung langjähriger Arbeit  mit geänderten Sichtweisen und Ansätzen zu etwas Neuem verbindet. Schauspiel und Theater sind in der aktuellen Liste der Projektkostenzuschüsse mit über einem Drittel vertreten, in der Gesamtheit der Ansuchen waren es weit mehr, darunter auch sehr viele Projekte von Newcomern und Erstansuchern, und diese neue Welle scheint sich fortzusetzen.

 

Der Begriff ‚Weichenstellung’ legt nahe, dass es sich um definitive Vorgänge handelt, doch natürlich hinkt der Vergleich, nichts an diesen Entwicklungen ist abgeschlossen, die Dinge sind naturgemäß im Fluss. Es handelt sich eher um ein Bündel an Weggabelungen, wie sich am Beispiel des postmigrantischen Theaters zeigt. Zeitweilig schon als Modewort abgetan, befinden sich unter diesem Vorzeichen diesmal allein 4 hochinteressante Projekte unter den Empfehlungen, in denen sich brisante aktuelle Inhalte und das Zusammentreffen von Künstler/innen unterschiedlichster Herkunft und verschiedensten Alters bündeln.

 

In Zahlen: von insgesamt 165 eingereichten Ansuchen um Projektkostenzuschuss konnten wir 29 Projekte zur Förderung empfehlen, davon 12 im Bereich Tanz/Performance, 11 im Bereich Theater/Schauspiel, 3 im Theater für junges Publikum, 2 im Musiktheater und 1 komplett spartenübergreifendes.

 

„Viele wollen Vieles von der Projektförderung“, so schrieben wir im Kommentar zu den Förderempfehlungen vor bald zwei Jahren. Daran hat sich nichts geändert, doch lässt sich aus kuratorischer Perspektive festhalten, dass sich der Fokus auf einer Förderung der konkreten künstlerischen Arbeit über die vergangenen Jahre als richtig erwiesen hat, gemäß unseren Kriterien der künstlerischen Innovation, Zeitgenossenschaft und Professionalität. Mit Spannung blicken wir dem kommenden Jahr, neuen Entwicklungen und anderen Wegen entgegen.

 

Andreas Hutter für das Team


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