Kuratorium Theater, Tanz, Performance

Adieu - Continuity - Hallo

Stellungnahme der Kuratoren im Mai 2013

 

Am winterlichen Wiener Morgen des 24. Mai 2013:

Adieu – Continuity – Hallo

Unser aktueller Empfehlungsvorgang, der Ein- und Zweijahresförderungen (ab 2014) sowie Projekt-Förderungen für den Herbst 2013 umfasst, hat lange gedauert. Sehr lange. Ausschlaggebend dafür war die bis in den Jänner dauernde Diskutiertätigkeit der  speziell zusammengesetzten Konzept-Jury über Vierjahres-Anträge. Die Einreichfrist für die von uns bearbeiteten Anträge war deswegen nicht bis 15. Jänner anberaumt sondern bis 15. Februar mit einer Nachreichfrist bis zum 10. März.

Auch danach waren unsere Überlegungen stark von den Vierjahres-Förderempfehlungen der parallel agierenden Jury geprägt. Denn anders als bei der winterlichen Pressekonferenz der Jury in Anwesenheit des Kulturstadtrates und der Kultursprecher der SP und der Grünen der Eindruck entstehen konnte, waren wir Projekt-Kuratoren und Ein- und Zweijahres-Entscheidungsmitverantwortliche n i c h t in Gespräche mit den Konzeptjuroren und der MA7 involviert.

Augenfällig war, aus medialer Sicht aber auch aus unserer Sicht, dass bei der Pressekonferenz einerseits keine Fördersummen genannt wurden, andererseits aus künstlerischer Sicht einige der im Land und international maßgeblich tätigen KünstlerInnen in der Stadt nicht mehr aus dem Budget für Vierjahresförderung unterstützt werden sollten.

Während die Projektförderung über einen verschriftlichten Kriterienkatalog verfügt, war das Procedere der letzten Konzeptjury auch für uns nicht  transparent nachvollziehbar. Es war uns aber aus inhaltlichen Überlegungen klar, dass wir abgelehnte Künstler im Rahmen unserer Möglichkeiten ausstatten wollen. Insgesamt konnten wir 11 Einreichungen für die Zweijahres-Förderung empfehlen, 10 für Einjahres-Förderung und 22 Projektförderungen für den Herbst 2013. Darunter ist eine Reihe von  vielversprechenden jungen Künstlern, etwa An Kaler (Tanz/Performance) und Michael Pöllmann (Theater für junges Publikum), aber auch erfahrene Kräfte und Urgesteine  sind darin vertreten und multidisziplinär tätige Künstler wie Linda Samaraweerova &  Karl Karner (Performance/ Bildende Kunst).

Das Budget der Projektförderung ist seit jeher 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Laut Ankündigung bei der oben erwähnten Pressekonferenz sollen es ab 2014 2,6 Millionen werden. Man wähnte kurz, wenn etliche Neue in die Vierjahres-Förderung hinaufwandern, müsste bei den Daruntergereihten plötzlich mehr Geld frei sein. Weit gefehlt! Künstler wie Christine Gaigg, Superamas, Claudia Bosse oder God’s Entertainment will man nicht im Regen stehen lassen.

Sicher ist weiters, dass der Ansturm auf die Einrichtung der Projektförderung immer heftiger wird; auch Projekte in großen geförderten Theatern stellen fallweise den Anspruch auf Projektförderung, dem wir bislang nie nachgegeben haben. In der Tat aber scheint auch die MA7 in der Bredouille. Die Förderempfehlungen wollen mehr denn je geprüft werden, ein Zusammenrücken der unterschiedlichen Förder-Beauftragten, ob Politiker, Beamte oder freiberufliche Werkvertrags-Kuratoren scheint unaufhaltsam, das Kultur-Budget wird entweder tatsächlich weniger oder anders verteilt oder muss auch anders verteilt werden. Auch da gibt es mehrere Varianten.

In eigener Sache: Das Kuratoren-Rad dreht sich weiter. Andrea Amort verabschiedet sich an dieser Stelle nach einer vierjährigen, intensiven Tätigkeit mit rund 800 Theaterbesuchen, vermutlich waren es mehr, ähnlich vielen Künstler- und DirektorInnen-Gesprächen und der Erkenntnis, im Auftrag der Stadt nicht gerecht sein zu können.  Nichts im Theater ist ihr mehr fremd, die Wertschätzung des Tanzes und der Performance ist ihr, was für ein Glück, nicht abhanden gekommen, der Zeitpunkt Neues zu erkunden und Bekanntes zu transformieren goldrichtig. Andreas Hutter ist die einmalig verlässliche und anspruchsvolle Konstante der aktuellen Kuratoren-Besetzung, er trägt das erarbeitete Wissen weiter und sorgt seriös für Kontinuität. Genia Enzelberger gehört seit März zum Team. Amorts Nachfolge ist Bettina Hagen. Daumen drücken!


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